Industrieelektriker – Ausbildung


Industrieelektriker verlegen Kabel, schließen Geräte an und installieren elektrische und elektronische Anlagen. Sie messen, prüfen und analysieren elektrische Komponenten und beheben Fehler. Dabei arbeiten sie zunehmend mit und an digitalen Systemen anstatt analogen Bauteilen.

Bildungsweg:
Duale Ausbildung

Empfohlener Abschluss:
Realschulabschluss

Ausbildungsdauer:
2 Jahre

Ausbildungsvergütung:
ab 830 € / Monat im
1. Ausbildungsjahr


Was macht ein Industrieelektriker?

Industrieelektriker übernehmen zunächst einmal die klassischen Funktionen eines Elektrikers: Sie verlegen Kabel und Leitungen, schließen elektrische Geräte an und prüfen sie auf Funktionsfähigkeit. Darüber hinaus montieren sie elektrische und elektronische Bauteile, fertigen notwendige Komponenten – auch mechanische – selbst an und spüren mithilfe von analogen und digitalen Mess- und Prüfinstrumenten Störungen und Fehler auf. Da Industrieelektriker – unabhängig von der Fachrichtung – auch Elektrofachkräfte im Sinne der Unfallverhütungsvorschriften sind, führen sie Sicherheitsprüfungen an elektrischen Anlagen und Systemen durch und sorgen für die Umsetzung der Vorgaben in den Bereichen Arbeitssicherheit und Umweltschutz.

Als Betriebstechniker sind Industrieelektriker eher „für das Grobe“ zuständig. Sie installieren elektrische Systeme und Anlagen wie Beleuchtungsanlagen und Sicherheitseinrichtungen, montieren aber auch Steuerungseinrichtungen und Produktionsanlagen oder sind in der Stromversorgung aktiv. Außerdem betreiben sie elektrische Systeme wie Generatoren, Transformatoren oder Elektromotoren. Bei den Betriebsmitteln, die sie betreuen, dokumentieren sie Produktionsdaten und führen Wartungsarbeiten durch.

Industrieelektriker, die sich auf Geräte und Systeme spezialisiert haben, sind oft mit manuell anspruchsvolleren Arbeiten beschäftigt. Sie stellen elektronische Bauteile her und fertigen auch computergesteuerte Geräte und Systeme – wie beispielsweise Fahrkartenautomaten. Zudem richten sie Komponenten der Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) ein und konfigurieren sie – von der Telefonanlage bis zum Netzwerk. Die elektrischen und elektronischen Bauteile und Gerätschaften prüfen sie mit speziellen Messgeräten sowie Hardware mit entsprechenden Software-Programmen und geben sie anschließend zur Nutzung frei.

Industrieelektriker sind überwiegend in den Werkhallen und Werkstätten von Industrieunternehmen zu finden. Haben sie sich auf Betriebstechnik spezialisiert, arbeiten sie in Betrieben der Metall- und Elektroindustrie, etwa im Fahrzeug- oder Anlagenbau, oder bei Energieversorgungsunternehmen. Industrieelektriker der Fachrichtung Geräte und Systeme sind dagegen überwiegend in der Elektroindustrie beschäftigt sowie in Betrieben der IKT und Unterhaltungselektronik. Unabhängig von der Ausrichtung können Industrieelektriker je nach Arbeitgeber aber auch damit rechnen, im Außendienst bei Kunden eingesetzt zu werden. Dort installieren sie elektrische oder elektronische Anlagen und Einrichtungen, nehmen sie in Betrieb und weisen Mitarbeiter, die in Zukunft daran arbeiten sollen, in die Bedienung ein.

Da in Industrieunternehmen in der Produktion Schichtarbeit weit verbreitet ist und bei Störungen oder Notfällen in elektrischen Anlagen sofort eine Elektrofachkraft gebraucht wird, beschränkt sich der Einsatz von Industrieelektrikern nicht auf die regulären Arbeitszeiten „nine to five“. In diesem Beruf muss die Bereitschaft bestehen, auch nachts, an Wochenenden oder Feiertagen zu arbeiten oder zumindest abrufbar zu sein. Je nach Anlage oder elektrotechnischem System kann es beim Arbeiten schmutzige Hände geben – insbesondere für Betriebstechniker: Produktionsanlagen stehen meist in Werkhallen mit Geruchs- und Geräuschbelastung: Viele maschinelle Bearbeitungsschritte sind trotz Elektroantrieb laut, es werden bei spanender Bearbeitung auch regelmäßig Kühl- und Schmierstoffe eingesetzt. Dazu kommen Ablagerungen und Produktionsrückstände, unter Umständen auch Staub und Rost. Zudem ist bei jeder Arbeit an elektrischen Einrichtungen zu bedenken, dass prinzipiell die Gefahr eines Stromschlags besteht und damit potenziell lebensgefährlich ist.

Die Arbeit eines Industrieelektrikers, unabhängig von der Fachrichtung, beinhaltet damit mindestens diese Aufgaben:

  • Tätigkeiten planen und vorbereiten, Materialien, Werkzeuge, Mess- und Prüfgeräte bereitstellen;
  • elektrotechnische Einrichtungen installieren, auf Funktionsfähigkeit prüfen und in Betrieb nehmen;
  • elektronische Komponenten in Systeme und Anlagen einbauen, programmieren und abstimmen;
  • elektrische und elektronische Komponenten prüfen, warten, instand halten und reparieren;
  • Ursachen von Fehlern und Störungen identifizieren, analysieren und beheben;
  • Sicherheits- und Schutzfunktionen elektrischer Anlagen prüfen;
  • Sicherheitsregeln der Elektrotechnik sowie technische Regeln (Arbeitsstättenregeln, ASR) beachten;
  • Tätigkeiten dokumentieren;
  • Nutzer an neuen Anlagen einweisen.

Für wen ist die Ausbildung zum Industrieelektriker geeignet?

Wer sich als Jugendlicher schon eine Lichtorgel gebastelt und an die Musikanlage angeschlossen hat oder wer mit Vorliebe seinen Computer aus einzelnen Bauteilen selbst zusammenbaut und das LAN (Local Area Network) vom Router bis zu den Netzwerk-Komponenten konfigurieren kann, hat bereits gute Voraussetzungen für die Arbeit als Industrieelektriker. Denn es geht nicht nur um analoge elektrotechnische Systeme, in denen Strom erzeugt, umgewandelt, geleitet oder genutzt wird. Der Schwerpunkt verlagert sich immer mehr hin zu digitalen Technologien, bei denen Programmieren, Steuern und Regeln angesagt sind.

Wer Industrieelektriker werden möchte, sollte daher Interesse schon in der Schule an den sogenannten MINT-Fächern – also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik – zeigen. Im Vordergrund steht hier allerdings nicht die Theorie, sondern die praktische Anwendung:

  • Mathematik samt Geometrie und Statistik wird gebraucht zur Berechnung von Kabellängen oder physikalischen Größen wie Widerständen und Kapazitäten, aber auch bei der Auswertung von Messergebnissen.
  • Informatik ist die Grundlage für die Konfiguration und die Programmierung von Geräten, Maschinen und Anlagen sowie Mess-, Regelungs- und Steuerungseinrichtungen.
  • Die klassische Physik umfasst Gebiete wie die Mechanik, die Elektrizitätslehre und die Optik. Dies sind die naturwissenschaftlichen Grundlagen für das Verständnis der verschiedenen Materialien, Komponenten und Bauteile, die ein Industrieelektriker verwendet, und deren Zusammenwirken.
  • Technik schafft das Verständnis der Funktionsweise von Einzelteilen bis hin zu ganzen Anlagen. Ganz praktisch wird sie wichtig beim Anfertigen von Werkstücken, deren Zusammenbau sowie bei der Installation, Wartung und Reparatur von elektrischen Systemen.

Die Aufgabenschwerpunkte bei der Arbeit als Industrieelektriker können drei unterschiedlichen Gebieten zugeordnet werden:

  • An erster Stelle stehen konkrete praktische Tätigkeiten. Das beginnt im Bereich Betriebstechnik beim Zurichten, Verlegen und Anschließen von Leitungen und Kabeln über das Aufstellen, Montieren und Inbetriebnehmen von Maschinen, Geräten und Antriebssystemen bis hin zu Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten. Spezialisten für Systeme und Geräte erstellen und bestücken darüber hinaus auch vielfach Schaltschränke und Leiterplatten, verbinden Hardware-Komponenten miteinander, schließen sie an und konfektionieren auch Einrichtungen der IKT.
  • An zweiter Stelle stehen theoretisch-abstrakte Tätigkeiten wie das systematische Eingrenzen, Identifizieren und Beheben von Störungen in Baugruppen, Geräten und Anlagen. Dazu ist es notwendig, die komplexen Zusammenhänge beim Zusammenspiel der Anlagenteile in bestehenden Systemen zu verstehen und zu wissen, wo man was messen kann und muss.
  • An dritter Stelle stehen Prüf-, Mess- und Steuerungsvorgänge als organisatorisch-prüfende Tätigkeiten. Das sorgfältige und verantwortungsbewusste Prüfen der Funktionen von elektrischen Anlagen und Sicherheitseinrichtungen ist die Grundlage für den ordnungsgemäßen und sicheren Betrieb. Die Ergebnisse müssen protokolliert werden, um durchgeführte Arbeiten und aufgefundene Zustände nachvollziehen zu können und daraus Maßnahmen für die Zukunft zu entwickeln.

Industrieelektriker arbeiten praktisch mit unterschiedlichen Werkzeugen und Geräten. Je nach Ausbildungsschwerpunkt – Fachrichtung „Betriebstechnik“ oder „Geräte und Systeme“ – sind mehr grob- oder mehr feinmotorische Fähigkeiten gefragt. Die Spanne reicht vom Einbau unhandlicher und schwerer Anlagenteile und dem Aufbau und Einrichten von elektrischen Maschinen bis zur Herstellung von Hardwarekomponenten und der Verkabelung von IKT-Systemen. Zu den physischen Voraussetzungen gehört also zunächst eine robuste Konstitution, da teilweise Kraft und Ausdauer bei schwererer körperlicher Arbeit erforderlich ist – etwa beim Heben, Tragen oder Halten von größeren Werkstücken oder Bauteilen, auch in unbequemen Zwangshaltungen oder unter räumlicher Enge. Das Einsetzen, Verlöten und Verdrahten von kleinen elektronischen Bauteilen erfordert dagegen handwerkliches Geschick und Fingerfertigkeit. Da nicht immer nur in der Werkhalle gearbeitet wird, sondern auch Einsätze im Freien notwendig werden können, sollten auch Temperatur- und Witterungseinflüsse nicht abschrecken. Schwindelfreiheit wird verlangt, wenn Arbeiten in der Höhe anstehen, etwa bei elektrischen Installationen auf Dächern. Zudem sollte das Sehvermögen ausreichen, um auch unter schlechteren Lichtverhältnissen Schaltpläne lesen oder Kabel unterschiedlicher Farbe erkennen zu können.

Ein Industrieelektriker arbeitet meist in einem Team – ob in der Fertigung oder als Mitglied des Wartungs- und Instandhaltungspersonals. In jedem Fall hat er Absprachen zu treffen und verlässlich einzuhalten. Das Sozialverhalten ist also von Bedeutung. Als elektrotechnische Fachkraft muss er zudem sehr sorgfältig und verantwortungsbewusst agieren, strenge Sicherheitsregeln einhalten und Maßnahmen der Arbeitssicherheit auch vor seinen Kollegen rechtfertigen und durchsetzen. Ein gewisses Maß an Ausdrucksvermögen und sprachlicher Kompetenz sollte also vorhanden sein. Dies ist auch hilfreich beim Einweisen von Personal an neu aufgebauten Anlagen.

Ein Industrieelektriker sollte also mit diesen Eigenschaften aufwarten können:

  • Interesse an MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik);
  • räumliches Denk- und Abstraktionsvermögen, um Montage- und Schaltpläne umsetzen zu können;
  • handwerkliches Geschick sowohl im grob- als auch im feinmotorischen Bereich;
  • robuste Konstitution;
  • selbstständige und sorgfältige Arbeitsweise;
  • Umsicht und Verantwortungsbewusstsein;
  • Teamfähigkeit;
  • sprachliche Kompetenz;
  • zeitliche und räumliche Flexibilität.

Ein Schulabschluss ist nicht unbedingt notwendig, um die Ausbildung zum Industrieelektriker zu beginnen; rechtlich sind die Hürden also nicht hoch. Dennoch wird von den ausbildenden Betrieben in der Praxis meist ein mittlerer Bildungsabschluss verlangt.

Dabei unterscheiden sich die Anforderungen an Industrieelektriker je nach Fachrichtung, wie aus dem Datensystem Auszubildende (DAZUBI) des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) herauszulesen ist. 2021 hatten im Bereich „Betriebstechnik“ von den etwas mehr als 500 Ausbildungsanfängern 50 Prozent einen mittleren Bildungsabschluss – also die Mittlere Reife –, gut ein Viertel einen Hauptschulabschluss und fast jeder Sechste die Hochschulreife; zehn Personen versuchten den Einstieg ohne einen Schulabschluss. Im Bereich „Geräte und Systeme“ hatten knapp 40 Prozent der gut 120 Einsteiger die „Mittlere Reife“, ein Drittel konnten einen Hauptschulabschluss vorweisen und ebenfalls rund jeder Sechste ein Abitur oder Fachabitur. Die Quote derjenigen ohne mindestens einen Hauptschulabschluss lag bei rund sieben Prozent.


Wie läuft die Ausbildung zum Industrieelektriker ab?

Zwei Jahre Ausbildung, abwechselnd im ausbildenden Industrieunternehmen und in der Berufsschule – das ist der anerkannte duale Ausbildungsgang für Industrieelektriker. Vor dem Beginn des zweiten Ausbildungsjahres findet eine schriftliche Zwischenprüfung statt, am Ende des zweiten Jahres die Abschlussprüfung. In den ersten beiden Prüfungsbereichen, „Arbeitsauftrag“ (max. acht Stunden) und „Elektrische Sicherheit“ (max. fünf Stunden), steht die praktische Ausführung mit im Vordergrund. Die beiden weiteren Prüfungsbereiche, „Schaltungs- und Funktionsanalyse“ sowie „Wirtschafts- und Sozialkunde“, sind schriftlich zu bearbeiten in jeweils 90 bzw. 60 Minuten.

Die Ausbildung im Betrieb ist für die Azubis kostenlos. Der Ausbildungsbetrieb stellt zudem die persönliche Schutzausrüstung (PSA), die bei vielen Arbeiten vorgeschrieben ist, und in der Regel auch die normale Berufskleidung sowie die benötigten Lernmittel. In vielen Fällen übernimmt er sogar die Auslagen für Fahrten zur Ausbildungsstätte. Ist eine Berufsschulausbildung in der Nähe des Arbeitsorts nicht möglich, sorgt er für die notwendige auswärtige Unterbringung während der Berufsschulblöcke. Muss ein Azubi sich eine Wohnung suchen und umziehen, um die Ausbildung in seinem Wunschbetrieb aufnehmen zu können, hilft die Bundesagentur für Arbeit mit Fördermöglichkeiten im Rahmen der Berufsausbildungsbeihilfe (BAB).

Die schulische Ausbildung erfolgt in einer Berufsschule an ein oder zwei Tagen pro Woche oder als jeweils mehrwöchiger Blockunterricht an Schwerpunktschulen. Themenfelder sind die berufliche Theorie, aber auch allgemeinbildende Fächer stehen auf dem Stundenplan. Zu den berufsspezifischen Inhalten gehören im ersten Lehrjahr beispielsweise die Planung und Ausführung elektrischer Installationen, die Analyse und Funktionsprüfung elektrotechnischer Systeme, die Analyse und Abstimmung von Steuerungen sowie die Bereitstellung von IKT-Systemen. Im zweiten Jahr stehen in der Vertiefungsrichtung Betriebstechnik die Energieversorgung und die Sicherheit der Betriebsmittel im Vordergrund, die Analyse und Prüfung von Baugruppen, Geräten und Anlagen, die Auswahl und Montage von Antriebssystemen sowie die Steuerung und Programmierung von Anlagen. Wer sich auf Geräte und Systeme spezialisiert, beschäftigt sich mehr mit elektronischen Baugruppen und Geräten. Themen sind die Konzeption, die Herstellung und Prüfung sowie die Konfiguration von Hard- und Software-Komponenten. Unterrichtseinheiten in Mathematik und Physik sowie Fächer wie Deutsch, Englisch, Wirtschaft, Gesellschafts- oder Sozialkunde ergänzen die fachspezifischen Lehrinhalte.

Die praktische Ausbildung findet im ausbildenden Unternehmen statt. Sie zielt darauf ab, dass sich die angehenden Industrieelektriker alle zur Bewältigung der täglich anfallenden Arbeiten notwendigen Fähigkeiten und Fertigkeiten aneignen. Die Azubis sollen im Verlauf der Ausbildung diese zunehmend sicherer anwenden und sich darüber auch fachmännisch mit Kollegen austauschen können. Außer der arbeitsbezogenen Kommunikation werden sie auch zu allen relevanten rechtlichen, technischen und betrieblichen Vorgaben unterwiesen, insbesondere zu den Themen Arbeitsschutz und Sicherheit – ein ganz wichtiges Thema gerade für Elektrofachkräfte. Das erste Lehrjahr beginnt mit der Bearbeitung mechanischer Komponenten und deren Verbinden mit elektrischen Betriebsmitteln bzw. dem Fertigen von Bauteilen und Geräten. Dazu wird das Messen und Analysieren von elektrischen Funktionen und Systemen eingeübt, damit die Azubis auch die Sicherheit von elektrischen Anlagen und Systemen beurteilen können. Das Herstellen, Installieren und Inbetriebnehmen von elektrischen Anlagen inklusive dem Konfigurieren von IKT-Systemen folgt auf dieser Basis. Im zweiten Jahr liegt der Schwerpunkt auf der Wartung und Instandhaltung von Anlagen und Systemen. Als Kernkompetenzen erwirbt ein Industrieelektriker während seiner praktischen Ausbildung vertiefte Kenntnisse in Betriebs-, Prozess-, Sicherungs- und Gebäudeleittechnik, in elektrischer Energietechnik, aber auch in Elektroinstallation sowie Energieverteilung und -versorgung. Unter Umständen wird das Repertoire noch um Themen wie Qualitätsmanagement, technischer Service oder Einsatz von Sensoren sowie digitalen Assistenz-, Simulations-, Diagnose- oder Visualisierungssystemen erweitert.


Wie viel verdient ein Industrieelektriker?

Wer eine Ausbildung im dualen System absolviert, hat ein Anrecht auf eine angemessene Ausbildungsvergütung – so steht es im Berufsbildungsgesetz (BBiG). Diese zahlt das ausbildende Unternehmen. Was im Regelfall angemessen ist, steht ebenfalls im BBIG: Im ersten Lehrjahr gilt als Mindestvergütung ein Monatsbrutto von 585 Euro, wenn die Berufsausbildung nach dem 01.01.2022 begonnen wurde. Beginnt die Ausbildung nach dem 01.01.2023, sind 620 Euro brutto im Monat das Minimum (§ 17 Absatz 1 und 2 BBiG). In den folgenden Jahren der Ausbildung erhöht sich der Betrag immer weiter. Berechnet wird das jeweilige „neue“ Minimum als prozentualer Zuwachs auf die Vergütung im ersten Ausbildungsjahr. Im zweiten Jahr gibt es ein Plus von mindestens 18 Prozent. Wer im September 2022 eine Ausbildung mit Mindestvergütung begonnen hat, erhält also im zweiten Lehrjahr mindestens 690 Euro brutto im Monat.

Industrieelektriker bekommen allerdings bereits im ersten Jahr der Ausbildung deutlich mehr. Als Minimum gelten 830 Euro Monatsbrutto. Unternehmen der Metall- und Elektrobranche, die tarifvertraglich gebunden sind, zahlen noch besser: Je nach Bundesland beträgt die Ausbildungsvergütung zwischen rund 980 (in Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen) und knapp 1.100 Euro brutto im Monat (im Norden Deutschlands – Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein – sowie in Mecklenburg-Vorpommern). Im zweiten Lehrjahr gibt es noch eins drauf: Hier liegt die Spanne zwischen ca. 1.030 und 1.130 Euro Monatsbrutto, bei gleicher Verteilung auf die Länder.

Wie die Ausbildungsvergütung, so hängen auch das Einstiegsgehalt nach Abschluss der Ausbildung sowie das spätere Gehalt nach zwei oder drei Jahren stark von der Tarifbindung des Arbeitgebers ab. Als Einstiegsgehälter werden in einigen Quellen 1.500 bis 2.000 Euro brutto als Monatsentgelt genannt und (realistischere) 2.500 bis 2.900 Euro Monatsbrutto für Industrieelektriker mit Berufserfahrung. Die Agentur für Arbeit gibt als beispielhafte tarifliche Bruttogrundvergütung nach Auswertung aller vorliegenden Tarifverträge eine Spanne von 2.985 bis 3.135 Euro monatlich an. Hier können noch Sonderzahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld oder Prämien dazukommen.


Wie kann ein Industrieelektriker aufsteigen?

Industrieelektriker – ob mit der Spezialisierung als Betriebstechniker oder im Bereich „Geräte und Systeme“ – sollten sich durch Anpassungsweiterbildungen auf dem Laufenden halten und über neue Verfahren, Materialien, Bauteile und Komponenten informieren. Klassisch gehören die Themen Elektrotechnik und Elektronik, Energie- und Anlagentechnik, Automatisierungstechnik, Mess-, Steuer- und Regelungstechnik sowie Wartung und Instandhaltung, aber auch Normen und Technische Regeln oder Qualitätsprüfung zu den Schwerpunkten. Dazu kommen aber auch aufgrund der stetig zunehmenden Digitalisierung und Vernetzung von Komponenten, Maschinen und Anlagen bis hin zum „Industrial Internet of Things“ (IIoT) andere Themen dazu. Dies sind beispielsweise Informations- und Kommunikationstechnik, speicherprogrammierbare Steuerungen (SPS) und Sensorik oder andere Trends und neue Techniken. Immer wieder genannt werden hier additive Fertigungsverfahren wie der 3-D-Druck, die 3-D-Simulation, Robotik, der Einsatz künstlicher Intelligenz oder smarte Systeme rund um die Energiewende – vom Smart Meter über die Photovoltaik-Anlage bis zur Ladestation für Elektroautos. Qualifizierungen in diesen zukunftsweisenden Techniken können die Chancen auf dem Arbeitsmarkt deutlich erhöhen. Wer mehr kundenorientiert denkt, kann sich durch eine Weiterbildung im Servicebereich, kaufmännische Zusatzqualifikationen oder mit erweiterten Fremdsprachenkenntnissen profilieren.

Aufstiegsweiterbildungen ebnen den Weg zu Fach- und Führungspositionen. So können Industrieelektriker je nach Spezialisierung ihre abgeschlossene Lehre auf eine Ausbildung in einem Beruf der Elektroindustrie anrechnen lassen, zum Beispiel zum Elektroniker für Betriebstechnik, für Geräte und Systeme, für Gebäude- und Infrastruktursysteme oder für Automatisierungstechnik. Statt vier sind dann teilweise nur noch zwei Jahre zu absolvieren, allerdings müssen Teile der Prüfungsleistungen noch nachträglich erbracht werden. Andere Möglichkeiten bieten Techniker-Ausbildungen in den genannten Spezialisierungen, der Abschluss als Industriemeister Elektrotechnik oder Weiterbildungen zum Prozessmanager oder zum Ausbilder. Parallel zu den fachlichen Qualifizierungen sollten idealerweise auch die Soft Skills gestärkt werden, um die Führungsqualitäten herauszustellen. Führungskompetenz, Gesprächsführung, Konfliktmanagement und Zeitmanagement sind hier eine Schiene, andere beispielsweise die Personaleinsatzplanung und -entwicklung oder die Lean Production.

Wer ein Abitur oder Fachabitur abgelegt hat und damit die Hochschulreife besitzt, kann auch ein Studium anschließen. Naheliegend sind Studiengänge wie Elektrotechnik, Energietechnik, Automatisierungstechnik und Mechatronik, aber auch Informatik und Wirtschaftsingenieurwesen erweitern das in der Ausbildung und bei weiteren Qualifizierungen erworbene Wissen.