Lebensmitteltechniker


Lebensmitteltechniker

Was ist ein Lebensmitteltechniker?

Ein Lebensmitteltechniker – genauer: staatlich geprüfter Lebensmitteltechniker – ist ein Fachmann, der nach einer Ausbildung im Lebensmittelhandwerk eine Zusatzausbildung absolviert hat.

Seinen historischen Ursprung hat die Ausbildung zum Lebensmitteltechniker in den 1970-er Jahren, als es einen Fachkräftemangel in den Industriefirmen gab. In den Unternehmen der Lebensmittelbranche wurden verstärkt Bäcker, Köche und Schlachter eingestellt, um den hohen Bedarf an Fachleuten zu überbrücken. Es stellte sich bald heraus, dass neben den traditionellen handwerklichen Fähigkeiten noch weitere Qualifikationen erforderlich wurden: Zusatzfähigkeiten im maschinellen bzw. später im computergestützten Bereich. In Zusatzausbildungen wurden genau diese technischen Kenntnisse und Fähigkeiten in Verbindung mit den besonderen Anforderungen der Lebensmittelbranche vermittelt. Es entstand das neue Berufsbild des Lebensmitteltechnikers.

Bei der heutigen Lebensmitteltechniker-Ausbildung handelt es sich um eine anspruchsvolle Zusatzausbildung, die sich aus fachspezifischem und fachübergreifendem Wissen zusammensetzt. Neben Fächern wie Biologie, Chemie, Physik und Maschinen- und Verfahrenskunde stehen auch Fächer wie Qualitätssicherung und -kontrolle sowie Ernährungslehre und Lebensmitteltechnologie auf dem Stundenplan. Auch fächerübergreifendes Wissen in Englisch, Politik, BWL, Kommunikation und Unternehmensführung sind Bestandteil der Ausbildung.

Staatlich geprüfte Lebensmitteltechniker sind in der Regel in der Qualifikationsebene des mittleren Managements tätig. Je nach Ausbildungsberuf, Schwerpunktfach und persönlicher Neigung können sie in verschiedenen Bereichen der Konserven-, Back- und Süßwaren- oder Getränkeindustrie sowie in anderen Branchen der Nahrungs- und Genussmittelherstellung tätig sein.

Die Lebensmittelindustrie ist eine der größten Wirtschaftszweige in Deutschland. Die berufliche Perspektive des ausgebildeten Lebensmitteltechnikers ist entsprechend sehr gut. Mit seiner Qualifikation gehört er zu einer der Berufsgruppen, die am seltensten von Arbeitslosigkeit betroffen sind.


Welche Aufgaben hat ein Lebensmitteltechniker?

In der Regel überprüft er Lebensmittel hinsichtlich ihrer Zusammensetzung, Inhaltsstoffe und deren Reinheit bzw. Schadstoffgehalt. Mit Hilfe verschiedener biologischer oder chemischer Verfahren erstellt der Lebensmitteltechniker Gutachten, entwickelt neue Produkte und optimiert Produktionsabläufe. Die Arbeitsorte und Einsatzgebiete können unterschiedlich sein – Lebensmitteltechniker können im Rahmen der Qualitätskontrolle, in der Produktionshalle, im Labor, im Büro oder im Außendienst ihren Wirkungsbereich haben.

Zu den typischen Aufgaben des Lebensmitteltechnikers zählen:

  • die Untersuchung und Analyse von Lebensmitteln
  • die Planung, Überwachung und Optimierung von Produktionsabläufen
  • die Erstellung von Gutachten
  • die Erarbeitung und Überprüfung rechtlicher Regelungen und Bestimmungen
  • die Durchführung von Qualitätskontrollen an Rohstoffen bzw. an Endprodukten

Je nach Berufsabschluss, können Lebensmitteltechniker innerhalb ihrer Zusatzausbildung zwischen verschiedenen Schwerpunkten wählen. Nach einer einheitlichen Grundausbildung bieten diese Schwerpunkte mehrere Spezialisierungsmöglichkeiten, die in der beruflichen Praxis entsprechend unterschiedliche Tätigkeitsfelder in ganz unterschiedlichen Betrieben mit sich bringen. Die Bezeichnungen der Schwerpunktfächer sind nicht einheitlich, sondern je nach Schule unterschiedlich. Nachfolgend einige Beispiele:

Schwerpunkt Bäckereitechnik:

Lebensmitteltechniker mit diesem Ausbildungsschwerpunkt arbeiten überwiegend in Großbäckereien oder in der Brot- und Backwarenindustrie. Sie können aber auch in der Süßwaren- oder Backmittelindustrie oder Mühlen tätig sein. Eine weitere Branche sind Unternehmen der Maschinen- und Anlagenindustrie, die sich auf die Herstellung oder Verpackung von Backwaren oder anderen Lebensmitteln spezialisiert haben.

Schwerpunkt: Fleischereitechnik

Techniker der Fachrichtung Lebensmitteltechnik mit dem Schwerpunkt Fleischereitechnik sind vorwiegend in der fleischverarbeitenden Industrie tätig – beispielsweise in der Produktion von Fertiggerichten und Wurst oder bei der Herstellung von Nährmitteln oder diätischen Lebensmitteln. Im Rahmen der Qualitätskontrolle überprüfen Lebensmitteltechniker mit dem Schwerpunkt Fleischereitechnik die Beschaffenheit der angelieferten Rohware, untersuchen Proben aus einzelnen Verarbeitungsstufen und nehmen die Endkontrolle der Fleischerzeugnisse vor.

Schwerpunkt: Technologie der Fertiggerichte und Feinkost

Lebensmitteltechniker mit diesem Schwerpunkt übernehmen oft Aufgaben im Wareneinkauf, planen Abläufe in der Produktion und prüfen Rohstoffe beziehungsweise überwachen die Produktqualität während der Produktion. Sie sind häufig bei der Verbesserung und Weiterentwicklung neuer Produkte für unterschiedliche Zielgruppen beteiligt. Dabei erproben sie neue Rezepte und entwickeln Verfahren für die Produktion in industriellem Maßstab.

Auch in der Optimierung von Verpackungen beziehungsweise der Verringerung des Energieverbrauchs während der Herstellung können Lebensmitteltechniker mit dem Schwerpunkt Technologie der Fertiggereichte und Feinkost beteiligt sein.

Schwerpunkt: Technologie der Lebensmittelverpackung

Hier liegt der Schwerpunkt, wie es der Name schon zeigt, in der Lebensmittelverpackung. Der Arbeitsschwerpunkt liegt in den Bereichen Produktion, Produktionsentwicklung, Qualitätskontrolle und Vertrieb für Unternehmen der Lebensmittelwirtschaft. Lebensmitteltechniker mit diesem Schwerpunkt steuern und überwachen Lebensmittelverpackungsmaschinen und veranlassen Qualitätssicherungs-, Rationalisierungs-, Reparatur- und Instandhaltungsmaßnahmen. Darüber hinaus planen und optimieren sie die Arbeitsabläufe. Auch die Durchführung von Qualitätskontrollen und die Entwicklung von lebensmittelgerechten Verpackungen gehören zu ihren Aufgaben.


Welche Kompetenzen braucht ein Lebensmitteltechniker?

Die erfolgreiche Ausübung der Position des Lebensmitteltechnikers setzt ein ausgeprägtes Qualitäts- und Hygienebewusstsein voraus. Bei der Durchführung von Laboranalysen wird ein hohes Maß an Genauigkeit und Sauberkeit erwartet. Es werden sowohl lebensmittelchemische als auch technologische Kenntnisse benötigt, um diesen anspruchsvollen Beruf auszuüben.

Oft arbeiten Lebensmitteltechniker im mittleren Management beispielsweise als Abteilungs-, Produktions-, oder Betriebsleiter. In diesen Bereichen ist eine betriebswirtschaftliche Denkweise und Führungskompetenz vorteilhaft.

Durch die Vielzahl an Einsatzmöglichkeiten kann der Lebensmitteltechniker in vielen Bereichen innerhalb der Lebensmittelbranche seine Fähigkeiten unter Beweis stellen. Bei einer hohen Kommunikationsstärke kann er auch im Vertrieb arbeiten. Liegen seine Interessen und Fähigkeiten eher im technischen Bereich, kann er in der Optimierung von Produktionsabläufen sehr gut eingesetzt werden. Bei der Entwicklung von neuen Produkten oder Produktvariationen beziehungsweise der Veränderung von Verpackungen kann ein hohes Maß an Kreativität vorteilhaft sein.


Wie wird man Lebensmitteltechniker?

Voraussetzung für die Weiterbildung zum Staatlich geprüften Lebensmitteltechniker

Für die Ausbildung zum Staatlich geprüften Lebensmitteltechniker wird ein Abschluss einer mindestens zweijährigen Berufsausbildung in der Lebensmittelbranche, im Handel oder im Hotel- bzw. Gastgewerbe und eine einschlägige Berufstätigkeit von mindestens einem Jahr vorausgesetzt. Folgende Berufsausbildungen werden beispielsweise anerkannt:

  • Bäcker oder Konditor
  • Fleischer oder Fleischereifachverkäufer
  • Koch oder Milchtechnologe
  • Brauer oder Mälzer
  • Fachverkäufer im Nahrungsmittelhandwerk
  • Fachkraft für Lebensmitteltechnik
  • Chemielaboranten

Weiterbildung zum Staatlich geprüften Lebensmitteltechniker

Die Weiterbildung zum Lebensmitteltechniker dauert in Vollzeit zwei Jahre und führt zu einer staatlichen Abschlussprüfung. Alternativ kann die Weiterbildung auch in drei Jahren in Teilzeit

oder berufsbegleitend in vier Jahren absolviert werden. Innerhalb der Ausbildung kann an den meisten Schulen zwischen verschiedenen Schwerpunktfächern gewählt werden. Zum Ende der Ausbildung findet eine Abschlussprüfung statt, diese besteht aus mehreren schriftlichen Prüfungen sowie mindestens einer Präsentationsprüfung und einer mündlichen Prüfung.

Der Schulbesuch ist kostenfrei, eine Ausbildungsvergütung wird nicht gezahlt. Eine Förderung im Rahmen des Schüler-BAföG bzw. Aufstiegs-BAföG ist möglich.

Perspektive nach erfolgreicher Prüfung

Im Anschluss an die erfolgreich abgelegte Prüfung kann ein weiterführendes Fachhochschulstudium beispielsweise im Studiengang Lebensmitteltechnologie oder Verpackungstechnik angehängt werden.


Wie viel verdient man als Lebensmitteltechniker?

Staatlich geprüfte Lebensmitteltechniker verdienen je nach Branche, Berufserfahrung und Tätigkeit zwischen 39.000 Euro und 79.000 Euro pro Jahr. Das Durchschnittsgehalt liegt bei ca. 50.000 Euro pro Jahr. Da der Abschluss eine Zusatzausbildung darstellt, kann das Einstiegsgehalt je nach Ausbildungsberuf und beruflicher Vorerfahrung sehr unterschiedlich sein.

In der Regel steigt das Gehalt nicht nur mit der Anzahl der Berufsjahre sondern auch in Abhängigkeit vom Einsatzgebiet und dem Verantwortungsbereich.


Weiterbildung für Lebensmitteltechniker

Je nach Tätigkeitsgebiet gibt es verschiedene Möglichkeiten der Weiterbildung für den Lebensmitteltechniker. Er kann sich beispielsweise im Bereich des Qualitätsmanagements als IFS-Beauftragter / interner Auditor weiterbilden oder als Food Defense- / Food Fraud-Beauftragter Verbesserungspotentiale entdecken und zukünftig nutzen.

Auch die Kenntnisse der aktuellen, gesetzlichen Vorschriften sind ein Muss für alle Lebensmitteltechniker. Mit dem DIN EN ISO 22000:2018 / FSSC 22000 Version 5 Basisseminar kann die Sicherheit im Betrieb durch Kenntnis der entsprechenden Normen gewährleistet werden.

Lebensmitteltechniker werden oft als Abteilungsleiter oder Betriebsleiter in der Lebensmittelbranche eingesetzt und haben in diesem Rahmen teilweise auch Personal- oder Budgetverantwortung. Mit Weiterbildungsseminaren in den Bereichen Kommunikation oder Betriebswirtschaft und Controlling können wertvolle Zusatzkenntnisse erworben werden.

Die REFA bietet zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten für Mitarbeiter im Bereich der Lebensmitteltechnik. Einen Überblick erhalten Sie hier.

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