Was versteht man unter Lean Production?


Was versteht man unter Lean Production?

Lean Production, oft auch als Lean Manufacturing bezeichnet, ist ein Teilbereich des Lean Managements. Dabei liegt der Fokus auf der Verbesserung der Durchlaufzeiten und der Prozessqualität entlang des Produktionsprozesses, die zu einer gesteigerten Effizienz bei gleichzeitiger Kostenminimierung führen soll. Beim Konzept der Lean Production (übersetzt: schlanke Fertigung) soll Verschwendung vermieden und Produktionsfaktoren sparsam und effizient eingesetzt werden. Zudem soll eine Organisation mit durchgängig schlanken Prozessen geschaffen werden, um so Kosten senken und die Produktivität steigern zu können.

Die Beweggründe von Unternehmen zur Einführung einer Lean Production liegen auf der Hand. Der steigende Konkurrenzdruck aufgrund der Globalisierung lässt Produktionsbetrieben kaum eine Wahl. Aufgrund kürzer werdender Produktlebenszyklen und einer steigenden Produktvielfalt müssen sie flexibel auf die Kundenwünsche reagieren und eine hohe Produktqualität und Verfügbarkeit anbieten. Allerdings besteht gleichzeitig die Notwendigkeit, wirtschaftlich zu handeln, um am Markt bestehen zu können. Damit dies gelingt, braucht es Prozesse, die schnell und flexibel angepasst werden können und optimal funktionieren.

Die Geschichte von Lean Production

Obwohl einzelne Ansätze der Lean Production bereits älter sind, sieht man heute den Ursprung von Lean Production beim japanischen Automobilhersteller Toyota in den 50er-Jahren. Anlass waren die damaligen Gegebenheiten: Der japanischen Wirtschaft fehlte es nach dem 2. Weltkrieg an Kapital- und Devisenreserven, daher konnte die Massenproduktion nicht aufrechterhalten werden. Ein effizienteres und kostengünstigeres Produktionssystem musste entwickelt werden, denn es sollte nur das produziert werden, was auch wirklich benötigt wurde. Die Zeit von Lean Production begann.

Abb. 1: Die Geschichte von Lean Production

Die Methoden von Lean Production wurden in den 90er-Jahren von James P. Womack, Daniel T. Jones und Daniel Roos in ihrem Buch „The Machine That Changed the World“ beschrieben und machte damit den Begriff Lean Production weltweit bekannt.

Die Ziele von Lean Production

Wie bereits erwähnt, zielt Lean Production darauf ab, Ressourcen und Zeit einzusparen. Um das zu verwirklichen, gibt es einige untergeordnete Ziele, an denen man sich orientieren kann. Die wichtigsten sind:

Vermeidung von Verschwendung

Bei Lean Production werden alle Aktivitäten, die nicht wertschöpfend sind, also den Wert des Produktes für den Kunden nicht erhöhen, als Verschwendung bezeichnet. In diesem Zusammenhang wird oft auch der japanische Begriff „Muda“ gebraucht, der eine sinnlose Tätigkeit beschreibt, die Ressourcen verbraucht, aber keinen Wert erzeugt.

Kontinuierliche Verbesserung

Um möglichst schlank produzieren zu können, müssen alle Prozesse permanent hinterfragt und verbessert werden (kontinuierlicher Verbesserungsprozess – KVP) – und das unter Einbezug aller Mitarbeiter, da diese ihre eigenen Arbeitsabläufe am besten kennen und genau wissen, wo Verbesserungen möglich sind. Denn nur wer aktiv am Prozess beteiligt ist, versteht anstehende Veränderungen besser, akzeptiert diese und trägt sie mit. In kleinen Schritten nähert man sich so einer optimal abgestimmten Produktion.

Standardisierung

Der Standardisierung von Abläufen kommt bei der Lean Production eine wichtige Rolle zu, denn nur so können Verschwendungen vermieden und ein Prozess der kontinuierlichen Verbesserung eingeführt werden. Dadurch sparen die Beteiligten nicht nur Zeit, sondern man kann auch prüfen, ob für gut befundene Standardlösungen ebenfalls auf andere Prozesse übertragbar sind.

Die Vor- und Nachteile von Lean Production

Die Vorteile von Lean Production liegen schon in der Definition der schlanken Produktion: Sie macht Prozesse schlank und effizient und schont dadurch Ressourcen. Die Produktivität wird erhöht und Kapazitäten optimal genutzt. Außerdem kann durch Lean Production die Produktvielfalt und die Kundenzufriedenheit durch kurze Belieferungszeiten erhöht werden. Dies führt wiederum dazu, dass Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern und ausbauen können.

Bei allem Positiven ist zu berücksichtigen, dass Lean Production auf Basis eines bestimmten Auftrag-Niveaus umgesetzt wird. Dabei wird die Absatzseite nicht berücksichtigt und das Unternehmen kann möglicherweise bei unvorhersehbaren Störungen oder Veränderungen keine ausreichenden Ressourcen zur Verfügung stellen. Außerdem werden durch die Umsetzung von Just-in-Time-Belieferungen Durchlaufzeiten und Lagerbestände reduziert. Dies hat zur Folge, dass in kleinen Mengen geliefert wird und so Fahrzeuge eventuell schlechter ausgelastet werden.

Doch trotz der Nachteile ist Lean Production eine ganzheitliche Unternehmensphilosophie, die zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit beiträgt. Sie kann nicht nur in Produktionsbetrieben zum Tragen kommen, sondern auch in Dienstleistungsunternehmen eingesetzt werden (Lean Administration).

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