New Work – wir sind auf dem Weg!


New Work – wir sind auf dem Weg!

Digitale Transformation, fortschreitende Globalisierung, demografischer Wandel – unsere Arbeitswelt ist im Umbruch und Arbeitgeber sind gefordert, über neue Formen der Zusammenarbeit nachzudenken. Ist New Work ein Ausweg?

 

 

 

Gesellschaft und Wirtschaft befinden sich in einem tiefgreifenden Wandel. Betroffen sind das Privatleben ebenso wie die Arbeitswelt. Die Ursachen sind unter anderem die Globalisierung und die fortschreitende Digitalisierung sowie demografische Veränderungen: Die Baby-Boomer treten aus dem Berufsleben aus, die Generationen X, Y und Z rücken nach, die – auch kulturelle – Diversität nimmt zu. Damit geht ein Wertewandel Hand in Hand. Auf diesen müssen sich Unternehmen einstellen.

Der Status quo

Fast jeder ist mittlerweile permanent erreichbar, unabhängig von Zeit und Ort. Menschen jeden Alters stehen über das Internet, soziale Netzwerke und verschiedenste Plattformen miteinander in Kontakt. Informationen werden über das Netz bezogen, Bestellungen aufgegeben; es wird konsumiert und eingekauft. Angehörige insbesondere der jüngeren Generationen – Millennials und Digital Natives – treffen sich weltweit zum Spielen oder verabreden sich zum gemeinsamen Streamen im Netz, sie sind „on“: online.

Moderne Maschinen und Anlagen sind vielfach über das IIoT, das Industrial Internet of Things, miteinander verknüpft. Sie werden über weite Entfernungen hinweg kontrolliert und gesteuert, tauschen automatisch Daten aus und handeln in vielen Fällen schon autonom – was unter anderem Auswirkungen auf die Lieferketten hat, da der Warenbezug und -versand automatisiert erfolgen kann. Die digitale Transformation mündet in eine Industrie 4.0, in der nicht mehr die Massenfertigung, sondern die individualisierte Einzelfertigung nach Kundenwunsch – bis hin zur „Losgröße 1“ – das Maß aller Dinge ist.

Die Gesellschaft wird dabei „postindustriell“: Nicht mehr der Fabrikarbeiter ist das Rückgrat der Wirtschaft, sondern die unternehmerisch denkende Fachkraft – im Bereich Produktion ebenso wie in der Dienstleistungsbranche. Sinnhaftigkeit, Selbstbestimmung und Verantwortungsbewusstsein sind die neuen Leitmotive. Die Industriegesellschaft wandelt sich dabei zur Wissensgesellschaft, da mehr und mehr Know-how beim Einsatz der Arbeitsmittel gefragt ist und immer weniger Muskelkraft.

Die Arbeit ändert sich

Blue Collars werden zu White Collars! Auch wenn körperliche Arbeit weiterhin in einigen Bereichen unumgänglich ist: Der „Malocher“ hat in vielen Fällen ausgedient. Repetitive, sich stets wiederholende, eintönige Arbeiten werden an Maschinen abgegeben, das Personal übernimmt vermehrt komplexere Überwachungs- und Steuerungsaufgaben. Der Maschinenführer wird zur Fachkraft für Mechatronik, der CNC-Dreher kommt ohne Programmierkenntnisse nicht mehr weiter und der Servicetechniker im Außendienst nutzt neben seinem Tablet als tragbares Büro mit Produkt- und Ersatzteilkatalog sowie verschiedensten Formularen auch eine Augmented-Reality (AR-) Brille, um – ohne einen Blick in eine technische Zeichnung werfen zu müssen – sofort zu wissen, was zu tun ist.

Auch die Büroarbeit ändert sich. Schreibmaschine und Postkorb haben ausgedient, Computer mit Intranetzugang und Internetanschluss sind selbstverständlich, die Kenntnis von Software-Anwendungen und deren Einsatz sind ebenso normal wie früher die Bedienung des Telefons – ob im Einkauf oder Vertrieb, in der Personalabteilung oder der Buchhaltung. Aus der „Tippse“ wurde die Fachkraft für Bürokommunikation, aus der „Vorzimmerdame“ die Assistentin der Geschäftsleitung.

Führungskräfte sind ebenfalls von diesem Wandel betroffen. Die nun höher qualifizierten Mitarbeiter wollen nun nicht mehr nur Geld verdienen, sondern einen Sinn in ihrer Arbeitsaufgabe sehen, motiviert werden und selbstbestimmt und eigenverantwortlich Aufgaben übernehmen. Dies verlangt nach einem neuen Führungsstil der Wertschätzung und Partizipation, einer teamorientierten Führung auf Augenhöhe ohne große Hierarchien.

Damit das ohne große Reibungsverluste möglich ist, sind Qualifizierungsmaßnahmen, Fort- und Weiterbildungen notwendig – für alle, auf allen Hierarchieebenen, über das gesamte Arbeitsleben. Lebenslanges Lernen ist angesagt.

Was ist New Work?

New Work ist die Umkehrung des Prinzips, neue Techniken zur – effizienteren – Fortführung herkömmlicher Arbeitsweisen zu nutzen. New Work ist eine neue Arbeitsweise, die sich erst aus der Nutzung der neuen Technologien ergibt – ein neues Business-Modell. Vereinfacht gesagt: Arbeit findet nicht mehr zu bestimmten Zeiten an bestimmten Orten statt, sondern überall und zu jeder Zeit – wo und wann man möchte.

Voraussetzung dafür ist nicht nur die jetzt zur Verfügung stehende Technologie mit den bislang nicht gekannten Möglichkeiten der Kommunikation und des Datenaustauschs. Wichtig ist die persönliche Einstellung der „New Worker“, das Mindset. Allen muss bewusst sein, dass New Work nur funktioniert, wenn große Freiheiten bestehen und mit diesen verantwortungsvoll umgegangen wird. Was bedeutet das?

Arbeitnehmer müssen neben den eigenen bereits vorhandenen Fähigkeiten den Willen zur notwendigen fortwährenden Weiterbildung mitbringen und Selbstdisziplin zeigen. Arbeit und Privatleben verschmelzen; aus der Work-Life-Balance wird eine Work-Life-Integration oder ein Work-Life-Blending. Die strikte Trennung in Arbeitszeit und Feierabend ist passé – gearbeitet wird, wenn es nötig ist, private Dinge werden erledigt, wenn sie anfallen.

Führungskräfte müssen lernen, „remote“ zu führen – aus der Ferne. Sie haben den Arbeitnehmern einen Vertrauensvorschuss einzuräumen und dürfen dafür davon ausgehen, dass „ihr Team“ die ihm zugewiesenen Arbeiten frist- und sachgerecht erledigt. Wann und wo die Arbeiten tatsächlich ausgeführt werden, steht im Ermessen der damit Betrauten. Dass eine direkte Kontrolle und Steuerung nicht möglich ist, ist eine der Eigenschaften dieser New Work. Einfluss nehmen kann eine Führungskraft dann aber über die persönliche Betreuung und Motivation seiner Mitarbeiter, auch durch weitere Qualifizierungsmaßnahmen. Ganz wichtig ist dabei die Klarstellung, warum eine Aufgabe Sinn ergibt, in welchem Zusammenhang sie zur Vision des Unternehmens steht und warum sie also wichtig und tatsächlich möglichst gut – im Kundensinn – erledigt werden sollte.

Bei allen Freiheiten kann New Work nur funktionieren, wenn Absprachen zur Zusammenarbeit getroffen werden. Es muss feste Zeiten geben für Meetings, Teamsitzungen, Besprechungen, damit alle relevanten Personen daran teilnehmen können. Zu vereinbaren sind ebenfalls die Zeitfenster für die direkte Kommunikation per Telefon oder Videochat zur Abklärung von Fragen, zur gegenseitigen Abstimmung des Vorgehens, zur Verteilung von Aufgaben – und natürlich für den Kontakt zu Kunden, Lieferanten und anderen Geschäftspartnern.

New Work: die Arbeitswelt 4.0

New Work betrifft in erster Linie die bislang herkömmlichen Büroarbeitsplätze – die Fließbandarbeit in der Fertigung oder die Arbeit auf Baustellen werden davon nicht berührt.

Aber: New Work beruht auf New Office. Das heißt beispielsweise:

  • Im Homeoffice oder remote widmen sich die New Worker künftig den Arbeiten, die Konzentration erfordern oder die sie allein durchführen können. Möglich ist dies beispielsweise ganz klassisch in einem ausgelagerten Büro, etwa einem zeitweise angemieteten, entsprechend modern ausgestatteten Arbeitsraum, wenn der Platz zu Hause nicht reicht oder die Umgebung zu unruhig ist. Wirklich modern sind dagegen „digitale Nomaden“ ohne festen Schreibtisch, die irgendwo auf der Welt arbeiten – etwa während der „Workation“, der Mischung aus Arbeit (Work) und Urlaub (Vacation). Neben Standard- oder Basis-Tätigkeiten können unter diesen Umständen auch virtuelle Meetings zum Informationsaustausch stattfinden oder Kundenkontakte per Telefon – eine stabile Internet-
    Verbindung vorausgesetzt.
  • In der Firma ist der Treffpunkt für direkte persönliche Kontakte, Gespräche und den informellen Austausch, um das Wir-Gefühl aufzubauen und zu stärken. Kreativprozesse, Arbeiten in der Gruppe und der interdisziplinäre oder abteilungsübergreifende Austausch stehen hier im Vordergrund. Neben Multispaces, die für Meetings genutzt werden können, sollten Coworking-Spaces und Kreativräume zum Ausprobieren und Experimentieren
    vorhanden sein.
  • Das klassische Büro – im Unternehmen selbst oder ausgelagert – wird dabei weiterhin eine wichtige Option bleiben. Denn hier ist der Rückzugsort, an dem gemeinschaftlich entworfene Konzepte und zusammen erarbeitete Vorgehensweise nochmals in Ruhe durchdacht und
    konkretisiert werden können.

Fazit

Die digitale Transformation hat fast alles und beinahe jeden erfasst. Das beeinflusst unser Privat- und Berufsleben immens. Auch unsere Arbeit ändert sich damit weitreichend. Mitarbeiter müssen dafür qualifiziert und motiviert werden. Vorgesetzte sind gefordert, neue Wege der Führung zu finden und zu etablieren.

Sichtbar wird die New Work insbesondere im Bereich der Schreibtischtätigkeiten. Die Digitalisierung ermöglicht neue Arten der Zusammenarbeit; Unternehmen müssen dies bei der Einrichtung und Ausstattung ihrer Räumlichkeiten berücksichtigen. Trotz aller Neuerungen wird dabei aber das klassische Büro als Rückzugsraum nicht aussterben.

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