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Belastungs-Analyse


Belastungs-Analyse

Definition

Eine Belastungs-Analyse ist eine Untersuchung von Situationen im Hinblick auf Bedingungen, die als Stressoren, also Anspannung auslösende Faktoren, auf eine Person einwirken.

Belastungs-Analysen werden insbesondere im Arbeitsumfeld ausgeführt, um im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung oder einer Arbeitsstudie die physischen und psychischen Anforderungen nach Art, Höhe und Dauer als Belastungsfaktoren und Belastungsgrößen zu erfassen und zu bewerten – also die Arbeitsbelastung zu ermitteln. Hier sind einerseits (physische) Aspekte wie Arbeitsanforderungen, zeitliche Bindung, Handlungs- und Entscheidungsspielräume, Verantwortung und Informationsverarbeitung zu berücksichtigen. Andererseits sind (psychische) Einflüsse wie die intrinsische und extrinsische Motivation oder auch soziale und emotionale Bindungen zu beachten.

Eine spezielle Form dieser Untersuchung ist die sogenannte SEG-Belastungsanalyse. Hierbei geht es um den Einfluss von Schmutz, Erschwernis und Gefahren am Arbeitsplatz. Besondere Bedeutung – und Einfluss auf die Gestaltung von Zulagen – hat die SEG-Belastungsanalyse bei

  • regelmäßigen Arbeiten an Orten mit Verschmutzungen, etwa in einer Werkstatt oder in einem Schlachthof,
  • Arbeitsausführungen mit besonderer Schwere, wie Heben, Tragen und Bewegen von schweren Lasten bzw. sperrigen Gegenständen oder Schichtarbeit, oder
  • Gefahren, zum Beispiel bei Arbeiten in der Höhe oder in Laboren mit Gefährdungspotenzial.

Entgelt- und Arbeitszeitgestaltung

Die Belastungs-Analyse kann als eine Bewertungsgrundlage zur leistungsabhängigen Entgeltgestaltung herangezogen werden, da besonders belastete Arbeitnehmer unter Umständen Anspruch auf entsprechende Zulagen haben.

Außerdem werden mit der Belastungs-Analyse Arbeitsabläufe und Arbeitszeiten und deren Zusammenwirken untersucht, um arbeitszeitrechtlich konkret definierte Gefährdungstatbestände zu beurteilen. Vor der Verlängerung von Arbeitszeiten ist sie beispielsweise prospektiv und prophylaktisch durchzuführen, um Gefährdungen und Rechtsverstöße auszuschließen.

Verfahren zur Belastungs-Analyse

Als wissenschaftliche Verfahren zur Belastungs-Analyse etabliert sind beispielsweise das physische und psychische Aspekte umfassende „Einschätzungsverfahren zur Belastung am Arbeitsplatz (EBA)“, das bei allen Arbeitsplätzen angewendet werden kann. Steht die Erfassung von Merkmalen der psychischen Belastung und Beanspruchung im Vordergrund, kann die deutsche Fassung des Copenhagen Psychosocial Questionnaire (COPSOQ) verwendet werden.

Nutzen der Ergebnisse

Die Ergebnisse von Belastungs-Analysen sollten immer als Anlass gesehen werden, um die Arbeitsverhältnisse vor Ort zu hinterfragen. Sie bieten damit den Ausgangspunkt für Maßnahmen der Organisationsentwicklung und die Optimierung des Qualitätsmanagements. Damit können Belastungs-Analysen Teil eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses (KVP) bei der betrieblichen Arbeitsgestaltung sein.

Rechtlicher Rahmen

Die Notwendigkeit einer Belastungs-Analyse kann aus dem Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG), abgeleitet werden. § 5 ArbSchG regelt die „Beurteilung der Arbeitsbedingungen“ und bildet damit Grundlage der Gefährdungsanalyse, in deren Rahmen eine Analyse der physischen und psychischen Belastung durchgeführt werden sollte.

Der Arbeitgeber hat je nach Art der Tätigkeiten Gefährdungen des Arbeitnehmers zu beurteilen und erforderliche Maßnahmen des Arbeitsschutzes zu ermitteln (§ 5 Satz 1 und 2 ArbSchG). Die Bedingungen bzw. Faktoren, aus denen sich Gefährdungen ergeben können, sind in § 5 Satz 3 ArbSchG aufgeführt. Eingegangen wird insbesondere auf die Arbeitsstätte und den Arbeitsplatz, die Arbeitsmittel, Arbeits- und Fertigungsverfahren, Arbeitsabläufe und Arbeitszeit sowie physikalische, chemische und biologische Einwirkungen. Weitere Punkte sind die Qualifikation und die Unterweisung der Beschäftigten und die psychischen Belastungen bei der Arbeit.

Weitere Richtlinien, die bei der Belastungs-Analyse zu berücksichtigen sind, liefern einschlägige Normen. Dazu gehören die DIN EN ISO 6385:2016-12, die die „Grundsätze der Ergonomie für die Gestaltung von Arbeitssystemen“ festlegt, sowie die dreiteilige DIN EN ISO 10075, „Ergonomische Grundlagen bezüglich psychischer Arbeitsbelastung“.