Gemba


Der Begriff Gemba stammt aus dem Japanischen und bedeutet so viel wie „Ort des Geschehens“. In der Betriebswirtschaft wird damit der Ort der Wertschöpfung bezeichnet, bei produzierenden Unternehmen angefangen von der Produktionsstelle bis hin zur Fabrikhalle, bei Dienstleistungsunternehmen ist es oft der Customer Touch Point, also der Punkt, an dem Kundschaft und Anbieter zusammentreffen – von der Verkaufsstelle über Büro und Praxis bis zum Call Center.

Der Gemba ist ausschlaggebend für den Erfolg der Fertigung bzw. der Dienstleistung. Entsprechend sind hier die Schwachpunkte aufzuspüren. In der Produktionsstätte handelt es sich hierbei vorrangig um Ineffizienzen und Qualitätsdefizite, also um verschiedene Arten der Verschwendung (Muda), bei Dienstleistungen geht es oft um die soziale Interaktion (mangelnde Wertschätzung, fehlendes Vertrauen, Kommunikations- und Verständnisprobleme) und um fachliche Defizite (Wissenslücken).

Gemba und Lean Management

Gemba oder „Go to Gemba“, bekannt als Gemba Walk und verwandt mit dem Management by Walking Around (MBWA), ist ein wichtiger Aspekt der Lean-Philosophie. Kern dieses Ansatzes ist, dass alle Probleme direkt beobachtbar sind. Informationen darüber müssen von den verantwortlichen Führungskräften daher dort eingeholt werden, wo die Wertschöpfung stattfindet, um sowohl wertschöpfende Aktivitäten als auch Verschwendung unmittelbar im Prozess festzustellen. Diese selbst gemachten Erfahrungen vor Ort (sei es in der Werkhalle oder im Kundenkontakt) ersetzen theoretische Annahmen, dienen der Entscheidungsfindung, können Ansatzpunkte für Optimierungsmaßnahmen bieten und Ursachen für Problemstellungen offenbaren. Aus dieser Perspektive kann Gemba als wichtiger Bestandteil des Qualitätsmanagements gesehen werden.

Der Austausch mit den Beteiligten vor Ort ist dabei entscheidend, um von deren Wissen um die Arbeitsprozesse und die damit verbundenen Probleme zu profitieren. Dazu kommt eine soziale Komponente durch Aufwertung jeder einzelnen Person, die wiederum auf diese motivierend wirken kann. Hier ist der Übergang zum Prinzip der kontinuierlichen Verbesserung (KVP) fließend, da Mitarbeitende durch den Gemba Walk dazu angeregt werden können, sich aktiv durch Vorschläge in die Optimierung der Prozessgestaltung einzubringen.

Gemba Walk

Der Gemba Walk sollte in unregelmäßigen Abständen, spätestens aber bei der Feststellung einer Abweichung vom Soll-Produktionsablauf durchgeführt werden. Dabei dient er nicht als Möglichkeit zur Kontrolle der Mitarbeitenden oder als Druckmittel gegenüber diesen, denn dies widerspräche der positiven Fehlerkultur des Lean-Gedankens. Ziele sind der Erwerb von Praxiserfahrung, der Austausch mit den Beschäftigten und Erkenntnisgewinn.

Die sechs Prinzipien von Gemba resultieren in diesen Vorgehensschritten:

  1. Gehe zu dem Ort der Fertigung, wenn eine Abweichung auftritt.
  2. Sprich mit den Mitarbeitenden und überprüfe die Maschinen im Fertigungsprozess.
  3. Leite Sofortmaßnahmen ein.
  4. Finde die Ursachen der Abweichungen heraus.
  5. Beseitige die Ursache an der Quelle.
  6. Standardisiere die Vorgehensweisen, um einem Wiederauftreten der Abweichungen vorzubeugen.
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