Hidden factory
Definition
Als „Hidden Factory“ („unsichtbares“ oder „verstecktes Unternehmen“) gelten ganz allgemein alle Aktivitäten eines Unternehmens, die von der Kundschaft nicht wahrgenommen werden bzw. keine direkt erkennbaren Auswirkungen auf diese haben.
Der Begriff wurde mit dieser Bedeutung 1986 vom US-amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler Wickham Skinner in seinem Aufsatz „The Focused Factory“ vorgestellt. Er subsummierte unter dieser Bezeichnung all die versteckten, oft ineffizienten Prozesse und Aktivitäten in einem Unternehmen, die im Hintergrund ablaufen, aber dennoch einen erheblichen Einfluss auf die Gesamtleistung haben. Typische Beispiele dafür sind die oft überbordende Bürokratie in der Verwaltung von hierarchisch geführten Unternehmen oder Systembrüche aufgrund von nicht kompatibler Technik in der Datenverarbeitung. Aus Sicht des Lean Managements besteht hier eine Schattenwirtschaft, die Verschwendung begünstigt.
Diese breitere Bedeutung wurde abgeleitet aus der enger gefassten Begriffsbestimmung, die bereits ein Jahr zuvor, 1985, von den beiden US-amerikanischen Wirtschaftswissenschaftlern Jeffrey G. Miller und Thomas E. Vollmann in dem Beitrag „The Hidden Factory“ gegeben wurde. Sie bezogen den Begriff „Hidden Factory“ auf den Gemeinkostenbereich von Unternehmen in der Kostenrechnung; dieser buchhalterische Ansatz hat sich als Definition gegenüber der allgemeinen Beschreibung durchgesetzt. Die Hidden Factory zeichnet sich dadurch aus, dass die meisten Gemeinkosten nicht von Abläufen in der Produktion oder Fertigung verursacht werden, also von direkt oder indirekt wertschöpfenden Tätigkeiten. Der Großteil der Gemeinkosten entsteht stattdessen bei nicht wertschöpfenden Aktivitäten. Zu diesen Overheadkosten zählen unter anderem die Aufwendungen für logistische Prozesse, Aktualisierungen, finanzielle Ausgleichsmaßnahmen oder organisatorische Maßnahmen im Qualitätsmanagement. Die dabei anfallenden Gemeinkosten können daher nicht direkt einer Kostenstelle (Produktionsabteilung) oder einem Kostenträger (Produkt oder Dienstleistung) zugeordnet werden.
Diese Feststellung führte zur Entwicklung neuer Kostenrechnungssysteme, mit denen eine verursachungsgerechtere Verrechnung von Gemeinkosten möglich wurde. Dabei werden Overheadkosten nicht mehr der absoluten Anzahl von Lohnstunden in der Fertigung zugerechnet, sondern es werden stattdessen die in Anspruch genommene Aktivitäten den Produkten zugeordnet. Hier gilt das Prinzip des „internen Kunden“, der als Auftraggeber Leistungen von anderen Einrichtungen des Unternehmens bezieht, die als Zulieferer fungieren. Der Besteller muss dann jeweils für die anfallenden Kosten aufkommen.
Die Zuordnung der Gemeinkosten erfolgt damit transaktionsbezogen. Die zugrunde liegende Analyse, wer welche Gemeinkosten in welcher Höhe verursacht, hat sich als wirksames Management-Instrument etabliert. Es erhöht die Transparenz interner Prozesse, hilft dabei, Optimierungspotenziale zu identifizieren und trägt so zur Senkung der Kosten bei. Dieses Kostenrechnungssystem ist inzwischen unter der Bezeichnung Activity Based Costing bekannt und verbreitet.
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