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Prämienentgelt


Prämienentgelt Definition

Definition

Das Prämienentgelt ist eine Form des Leistungslohns, bei der eine Grundvergütung um einen festgelegten Betrag aufgestockt wird, wenn eine vorher vereinbarte Mehrleistung erbracht wurde.

Beim Prämienentgelt werden Arbeitnehmer für überdurchschnittliche Leistungen zusätzlich vergütet. Die Mehrleistung besteht darin, vertraglich festgelegte Ziele bzw. Kriterien, die über die Grundanforderungen hinausgehen, mindestens zu erreichen. Die gewährte Prämie kann sich auf unterschiedliche Faktoren beziehen. Wichtig ist dabei, dass die Bezugsgrößen klar definiert und messbar sind.

Bezugsgrößen

Als Grundlage zur Berechnung des Prämienentgelts können verschiedene quantifizierbare Bezugsgrößen herangezogen werden. Eindeutig als Mehrleistungen belegbare Ergebnisse lassen sich beispielsweise in diesen Bereichen erzielen:

  • Steigerung der Produktion, z. B. Anzahl gefertigter Teile;
  • Qualitätsverbesserung, etwa durch Erhöhung der Anzahl Gutteile;
  • Ersparnis von Ressourcen wie Material, Energie oder Zeit;
  • Verringerung der Leerlaufzeiten einer Anlage, beispielsweise durch schnelleres Rüsten;
  • Erhöhung der Termintreue durch termingerechte Erledigung;
  • Kundenzufriedenheit bzw. Rückgang an Reklamationen.

Prämienarten und Einsatzmöglichkeiten

Grundlage der Bewertung einer Mehrleistung sind die verschiedenen Bezugsgrößen, die sowohl einzeln als auch in Kombination berücksichtigt werden können. Die Faktoren, die zur Berechnung der Prämie herangezogen werden, müssen im Vorfeld mit den betroffenen Arbeitnehmern abgesprochen und vereinbart werden. Dabei sind sowohl die Bezugsgrößen in Art und Menge als auch deren Prämienwirksamkeit festzulegen.

Quantitätsprämie

Grundlage der Quantitätsprämie ist die Menge der gefertigten Produkte, der bewegten Güter oder der erbrachten Dienstleistungen – vom Beratungs- und Verkaufsgespräch bis zur Anzahl oder Fläche von gereinigten Objekten. Die Quantitätsprämie ähnelt dem Akkordlohn, ist aber gedeckelt und erlaubt mehr Flexibilität in der Bewertung der Arbeitsleistung. Sie kann insbesondere bei nicht-akkordfähiger Arbeit vereinbart werden, wenn also die Arbeitsbedingungen nicht gleichbleibend sind und eine mengenmäßige, faire Beurteilung nicht möglich ist.

Nutzungsprämie

Die Nutzungsprämie zielt darauf ab, die Gesamtanlageneffektivität (GAE, englisch: Overall Equipment Effectiveness, OEE) zu erhöhen, also Maschinen effizienter zu nutzen und Stillstand zu reduzieren. Dies kann erreicht werden durch Optimierung der Beschickungs- oder Entleerungsvorgänge und insbesondere durch Verringerung der Rüstzeiten. Weitere Ansatzpunkte sind die Verringerung von Wartungszeiten und die Reduktion der durch Reparaturen verursachten Stillstandszeiten.

Qualitätsprämie

Eine Qualitätsprämie, auch „Güteprämie“ genannt, wird ausgezahlt, wenn eine Verbesserung des Produktions- oder Arbeitsergebnisses erzielt wird. Das Ziel ist, die Menge an Gutteilen messbar zu erhöhen. Dies kann erreicht werden, wenn Nacharbeit, Ausschuss, Ausfall und die Produktion von Gütern „zweiter Wahl“ vermieden werden. Da dadurch auch die Herstellungsleistung quantitativ gesteigert wird, wird die Qualitätsprämie oft mit der Mengen- bzw. Quantitätsprämie kombiniert.

Als Qualitätskriterien können auch Kundenzufriedenheit, sichtbar u. a. am Fehlen von Reklamationen, erhöhte Präzision oder Pünktlichkeit der Lieferungen vereinbart werden.

Ersparnisprämie

Jede Ersparnis und jede Vermeidung von Verschwendung ist ein Gewinn. Dieser kann mit der Ersparnisprämie honoriert werden. Hier steht der schonende bzw. nachhaltige Umgang mit Ressourcen im Vordergrund, seien es Werkstücke und Ausgangsmaterialien, Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, Energie, Finanzmittel oder Personal. Die Ersparnisprämie kann vereinbart werden, wenn ein großer Teil der Arbeitsleistung darin besteht, Ressourcen einzusparen, auch durch Senkung der Unfallhäufigkeit oder der Anzahl krankheitsbedingter Fehltage.

Terminprämie

Eine Terminprämie belohnt die Einhaltung von zeitlichen Vorgaben wie Produktions- und Lieferterminen oder Meilensteinen in der Projektabwicklung. Kriterium für die Auszahlung der Prämie ist das recht- oder vorzeitige Erreichen eines festgelegten Ergebnisses oder der Abschluss einer Aufgabe. Da beispielsweise eine fristgerechte Produktion und termingetreue Auslieferung in der Regel von verschiedenen Faktoren in der Wertschöpfungskette beeinflusst werden und diese kaum einzelnen Arbeitnehmern oder Teams zugeordnet werden können, ist die Terminprämie eher selten.

Ideenprämie

Die Ideenprämie soll die Kreativität der Mitarbeiter fördern und dazu motivieren, die Prozesse, die im Unternehmen ablaufen, zu hinterfragen. Verbesserungsmöglichkeiten und umsetzbare Vorschläge zur Optimierung laufender, etablierter Arbeitsabläufe werden vergütet. Neben der hier vielfach angestrebten Effizienzerhöhung können aber insbesondere die Mitarbeiter in Abteilungen wie Forschung und Entwicklung oder Konstruktion von der Ideenprämie profitieren, wenn sie Vorschläge zur Erhöhung der Effektivität von Verfahren unterbreiten.

Mehrfaktorenprämie

Die genannten Prämien lassen sich in der Regel miteinander kombinieren, da viele der Bezugsgrößen untereinander wechselwirken. Werden Prämienarten miteinander vermischt, handelt es sich um Mehrfaktorenprämien.

Einzel- und Gruppenprämien

Sowohl Einzelpersonen als auch Gruppen oder Teams können in den Genuss einer Prämie kommen. Als Prämienentgelt werden dann Einzel- oder Kollektivprämien ausgezahlt.

Die Einzelprämie erhält jeder Arbeitnehmer aufgrund seiner individuellen Mehrleistung. Da immer mehr Arbeiten aber in Teams als Gruppenarbeit durchgeführt werden, hat sich in vielen Fällen die Gruppenprämie durchgesetzt, etwa in der Montage, der Kommissionierung, im Vertrieb, im Service oder bei Projekten, in der Forschung und Entwicklung oder in der Konstruktion. Da in diesen Fällen die Einzelleistung nicht zugeordnet werden kann, werden Kollektivprämien als Prämienentgelt gezahlt. Abgegolten wird dabei die von mehreren Arbeitnehmern gemeinschaftlich erbrachte Leistung. Das fördert den Teamgeist der Arbeitnehmer und die Zusammenarbeit untereinander.

Für Team- oder Projektleiter sowie andere Führungsverantwortliche in der Gruppe kann zusätzlich noch eine Einzelprämie beim Erreichen der festgelegten Ziele vereinbart werden.

Abgrenzung von Prämienentgelt und Akkordlohn

Das Prämienentgelt ist eine Kombination aus Zeit- und Leistungslohn. Die Festlegung und Berechnung der Mehrleistung kann auf Basis vieler verschiedener Leistungsparameter erfolgen, die sich auch miteinander kombinieren lassen. Dadurch ist das Prämienentgelt flexibler und vielseitiger einsetzbar – auch in Bereichen, die nicht akkordfähig sind, etwa dem Verkauf, der Forschung und Entwicklung oder der Konstruktion.

Der Akkordlohn zielt dagegen nur auf das Volumen des Arbeitsergebnisses ab. In der Regel ist dies die Anzahl der produzierten Stücke oder die Menge der bewegten Güter. Damit ist der Akkordlohn unflexibel und eignet sich nur für akkordfähige Tätigkeiten in der Produktion oder der Logistik.

Abrechnung des Prämienentgelts

Das Prämienentgelt ist ein wichtiger Teil der modernen Personalvergütung, da es flexibel gestaltet und an die individuelle Leistung eines Mitarbeiters oder an bereichsspezifische Belange des Unternehmens angepasst werden kann. Die Vorteile des Prämienentgelts werden insbesondere in den Bereichen Produktion sowie Vertrieb und Service, aber auch Forschung, Entwicklung und Konstruktion sichtbar.

Das Prämienentgelt besteht aus einem anforderungsorientierten Grundentgelt wie dem Stundenlohn und einer leistungsorientierten Prämie, die auf einen festgelegten Anteil des Grundentgelts begrenzt ist. Das Prämienentgelt gehört zum Bruttoentgelt und ist damit steuerpflichtig.

Bruttoentgelt = Grundentgelt + Prämie

Einbezogen in die Berechnung des Prämienentgelts werden die jeweilige Prämienform, also die Bezugsgrößen, und die Art und Menge der Leistungen. Da die Prämie für jeden Mitarbeiter individuell berechnet wird, ist der Verwaltungsaufwand gegenüber einer normalen Gehaltsabrechnung eines Grundentgelts, etwa eines Monatslohns, deutlich erhöht.

Die Prämienhöhe und deren Abstufungen können dabei in die folgenden Prämienverläufe differenziert werden:

  • Proportionaler Prämienverlauf
    Hier steigt die Höhe der Prämie im gleichen Maß wie die Arbeitsleistung. Berücksichtigt wird also wie beim Akkordlohn die Mehrleistung des Arbeitnehmers – allerdings in einer festgelegten gleichförmigen Abstufung bei der Erhöhung der Prämie.
  • Progressiver Prämienverlauf
    Die Höhe der Prämie steigt schneller als die erbrachte Mehrleistung. Jede weitere von Stufe zu Stufe gleichmäßige Zunahme der Mehrleistung wird durch eine sukzessiv wachsende Prämie vergütet. Arbeitnehmer werden so zu einer maximalen Leistung angeregt. Der hohe Anreiz birgt das Risiko der Selbstausbeutung und der Überlastung und erhöht die Unfallgefahr.
  • Degressiver Prämienverlauf
    Die Höhe der Prämie steigt weniger schnell als die erbrachte Mehrleistung. Jede weitere von Stufe zu Stufe gleichmäßige Zunahme der Mehrleistung wird durch eine sukzessiv sinkende Prämie vergütet. Arbeitnehmer werden so dazu angeregt, Mehrleistungen zu erbringen, aber dafür keine Risiken einzugehen. Die Prämien sind damit für den einzelnen Mitarbeiter moderat, Konkurrenzdenken wird vermieden.
  • S-förmiger Prämienverlauf
    Der Kurvenverlauf in S-Form entsteht durch das Aufeinanderfolgen von progressivem, proportionalem und degressivem Prämienverlauf. Geringe Mehrleistungen werden stark belohnt, mittlere angemessen und hohe wenig. Die Gesamtleistung einer betrieblichen Einheit wird damit auf höherem als durchschnittlichem Niveau eingeregelt. So lässt sich der Teamgeist stärken und Konkurrenzdenken vermeiden.

Vorteile und Nachteile des Prämienentgelts

Jede Art der Entgeltvereinbarung hat ihre Vor- und Nachteile. Gerade bei der Bemessung eines angemessenen Leistungslohns ist immer die Frage der Leistungsgerechtigkeit und damit der Anwendbarkeit von Bemessungskriterien zu beantworten. Des Weiteren sind die Auswirkungen auf die Motivation der Mitarbeiter und das Konkurrenzdenken untereinander zu beachten.

Das Prämienentgelt bietet z. B. folgende Vorteile …

für die Mitarbeiter:

  • finanzieller Anreiz;
  • Motivationssteigerung;
  • Ausdruck der Wertschätzung durch den Arbeitgeber;
  • stärkere Identifikation mit (Unternehmens-)Zielen.

für die Arbeitgeber:

  • Produktivitätssteigerung;
  • Qualitätsverbesserung;
  • Verkürzung der Produktions- und Durchlaufzeiten;
  • Stärkung des Teamgeists durch Gruppenprämien.

Als Nachteile eines Prämienentgelts gelten z. B. …

für die Mitarbeiter:

  • Unzufriedenheit bei Nichterreichung der Ziele;
  • Bezugsgrößen zur Festsetzung der Prämie nicht immer leicht nachvollziehbar;
  • gesundheitliche Probleme durch hohen Anforderungsdruck;
  • Konkurrenzdenken und Verschlechterung des Arbeitsklimas.

für die Arbeitgeber:

  • großer Verwaltungsaufwand bei Berechnung der Prämien;
  • Festlegung von nachvollziehbaren und leistungsgerechten Bemessungskriterien u. U. schwierig;
  • erhöhter Krankenstand bei übertriebener Leistungserwartung;
  • Verschlechterung des Betriebsklimas bei vermuteter Ungleichbehandlung.

Fazit

Der Prämienlohn beinhaltet die Mindestvergütung in Form des Grundgehalts bzw. Stundenlohns als zeitliche Komponente sowie die Mehrleistung als mengenmäßig erfassbare Komponente. Die Bezugsgrößen zur Berechnung der Prämien für die erbrachte zusätzliche Leistung sind dabei variabel gestalt- und kombinierbar. Dies ist zum einen ein Leistungsanreiz für Mitarbeiter und eine Alternative zum Akkordlohn. Zum anderen verbessert es das wirtschaftliche Ergebnis des Unternehmens in Hinblick auf Qualität oder Quantität. Das Prämienentgelt kann auch zum Imagegewinn und zur Kundenbindung beitragen, indem es die Termintreue steigert, die Reklamationsrate senkt und die Kundenzufriedenheit erhöht.

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