Soll-Wert


Soll-Wert

Definition

Der Soll-Wert ist gemäß Duden der „Wert, den eine [physikalische] Größe haben soll“.

Je nach Sinnzusammenhang und Anwendungsbereich ergeben sich aber unterschiedliche Möglichkeiten, Soll-Werte festzulegen oder zu bestimmen.

Prinzipiell kann unterschieden werden zwischen dem Soll-Wert als

  • Vorgabewert, der als anzustrebende oder zu erreichende Zielgröße festgelegt wird, und dem
  • Normwert oder Normalwert, der sich als statistischer Mittelwert, in der Regel als arithmetisches Mittel, aus der Auswertung erhobener Daten oder Messwerte ergibt.

Der Soll-Wert als theoretisches Konstrukt ist immer zu vergleichen mit dem dazugehörigen Istwert, der den tatsächlichen, real existierenden Zustand abbildet. Der Istwert kann beispielsweise ein einzelner Messwert sein, eine berechnete Kennzahl oder ein ermittelter statistischer (Durchschnitts-)Wert. Idealerweise stimmt der Istwert mit dem Soll-Wert überein – oder weicht möglichst wenig von diesem ab.

Typische Anwendungsbereiche von Soll-Werten

Kybernetik bzw. Regelungstechnik

Der Soll-Wert ist hier die vorgegebene Regelgröße, auch Führungsgröße genannt. Weicht der (gemessene) Istwert, die Stellgröße, vom Soll-Wert ab, werden Elemente des Regelkreises – Regler, Stellglieder, Aktoren, Regelstrecke – aktiviert, um den Istwert an den Soll-Wert anzunähern.

Qualitätskontrolle

Der Soll-Wert ist hier der Vorgabewert, der eingehalten werden muss, um die von Abnehmer- und Anbieterseite bestehenden Ansprüche an die Güte eines Angebots zu erfüllen. Da allein schon aufgrund von Fertigungstoleranzen, Messungenauigkeiten und systematischen und zufälligen Fehlern bei der Stichprobennahme und der Datenerhebung der Soll-Wert nie exakt erreicht werden kann, sind bei der Qualitätskontrolle Schwankungsbreiten zu definieren.

Bei Six Sigma, einem mathematisch-statistischen Verfahren zur Qualitätskontrolle, beträgt die zulässige Abweichung vom Soll-Wert – dem arithmetischen Mittelwert der relevanten Messdaten – das Sechsfache der Standardabweichung. Umgerechnet liegen damit 99,99966 Prozent aller Messwerte im Toleranzbereich. Anders ausgedrückt: Da bei einer Million Messungen nur 3,4 Istwerte außerhalb der Qualitätsgrenze akzeptiert werden, wird damit quasi die „Null-Fehler-Produktion“ erreicht.

Arbeitswissenschaften

Soll-Werte sind über ihren Erreichungsgrad – als relative oder absolute Abweichung der Istwerte vom Soll-Wert – oft Grundlage für

  • die Bewertung von Tätigkeiten,
  • die Beurteilung der Leistungsfähigkeit von Arbeitnehmern, Geräten, Maschinen, Anlagen oder Fertigungssystemen,
  • die Überprüfung der Effizienz von Prozessen oder Vorgängen sowie
  • die Kosten-Nutzen-Analyse von (Herstellung-)Verfahren oder Maßnahmen wie beispielsweise zur Qualifizierung der Beschäftigten oder des Arbeitsschutzes.

Soll-Werte können auch für bestimmte Tätigkeiten und Arbeitsabläufe aus Istwerten statistisch abgeleitet werden. So werden etwa bei Zeitstudien und Zeitaufnahmen (Multimomentaufnahmen, MMA) Arbeitsprozesse und Arbeitsschritte in kleinste Abläufe zergliedert und entsprechenden Ablaufarten zugeordnet (Systeme vorbestimmter Zeiten, SvZ). Die über diese Zeitermittlung bestimmten Sollzeiten der einzelnen Ablaufabschnitte werden durch Summierung zur Grundzeit für den Arbeitsablauf eines Fertigungsschritts. Die Grundzeiten wiederum sind Basis für leistungsgerechte Entgeltsysteme – etwa zur Berechnung von Akkordlöhnen bei Akkordarbeiten.

Projektmanagement

Der Soll-Wert steht hier für eine im Projektplan angegebene Größe, die zu einem bestimmten Zeitpunkt einen vereinbarten Wert annehmen soll. Das reicht von der Anzahl der Projektmitarbeiter im Projektteam über die Menge der erledigten Arbeitspakete bis zu einem Meilenstein sowie die geplanten Kosten für ein Arbeitspaket bis hin zum Termin des Projektabschlusses. Die Istgrößen sind durch Steuerungsmaßnahmen der Projektleitung so zu beeinflussen, dass die vorgegebenen Soll-Werte erreicht werden können.

Medizin

Der Soll-Wert – etwa bei Blutwerten – entspricht hier in vielen Fällen einem auf Erfahrung basierenden Normalwert bzw. einem auf demografischen und anderen Faktoren beruhenden statistisch ermittelten Durchschnittswert. Als Soll-Wert wird meist ein Toleranzbereich angegeben – Abweichungen von diesem werden oft als behandlungsbedürftig eingestuft.

Sozial- und Gesellschaftswissenschaften

Hier kann auch wieder zwischen zwei Arten von Soll-Werten unterschieden werden, nämlich den Vorgabe- und den Normalwerten.

  • Vorgabewerte beziehen sich beispielsweise auf angestrebte Größen wie die Anzahl von Einrichtungen oder Personaleinheiten pro Kopf der Bevölkerung – zum Beispiel Schulen, Lehrkräfte, Krankenhäuser oder Fachärzte pro 100.000 Einwohner.
  • Normalwerte entsprechen hier meist einem auf Erfahrung basierenden oder statistisch ermittelten Durchschnittswert. Anhand von demografischen Merkmalen oder regionalen Faktoren können Soll-Werte beispielsweise für den Erfolg von Schulungs- und Ausbildungsmaßnahmen, die Armutsgrenze oder die Inflationsrate ermittelt bzw. festgelegt werden.
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