Wertzuwachskurve
Definition
Die Wertzuwachskurve zeigt die kumulativ anfallenden Aufwendungen in einem (Transformations-)Prozess zur Erstellung eines Produkts oder zur Erbringung einer Dienstleistung an. Die Kosten der Wertschöpfung werden dabei der Durchlaufzeit oder (Auftrags-)Bearbeitungszeit gegenübergestellt.
Da in der Wertzuwachskurve der Zusammenhang zwischen den Faktoren Zeit und Kosten sichtbar wird, ist sie ein wichtiges Controlling-Instrument: Kosten und Zeiten können mit ihrer Hilfe in einzelnen Prozessen detailliert visualisiert werden. Damit lassen sich wertschöpfende Abläufe und Tätigkeiten von nicht direkt wertschöpfenden, also unterstützenden, sowie nicht-wertschöpfenden unterscheiden. Die Wertzuwachskurve wird daher oft in der Wertstromanalyse (Value Stream Mapping) eingesetzt. Dabei handelt es sich um ein im Lean Management verbreitetes Instrument, um Kostensenkungspotenziale zu identifizieren, die Wertschöpfung zu steigern und Verschwendung zu minimieren.
Die grafische Darstellung
Dargestellt wird die Wertzuwachskurve in einem zweidimensionalen Koordinatensystem. Aufgetragen werden die (kumulierten) Herstellungskosten über einer Zeitachse, die zum Beispiel die Vorgangsdauer oder die Prozesszeit angibt. Die Steigung der Kurve ist ein Maß für die Prozesseffizienz. Die mit der Zeit wachsende Fläche unter der Kurve zeigt die bei der Bearbeitung anfallenden Kosten und damit die zunehmende Kapitalbindung während des Transformationsprozesses an. Das Prozessdesign sollte dabei möglichst so angelegt sein, dass die kapitalintensivsten Schritte als Preistreiber am Ende der Wertschöpfungskette liegen. Damit verläuft die Wertzuwachskurve idealerweise zu Beginn flach und steigt erst am Ende deutlich an.
Kostensenkungspotenziale
Kostensenkung bedeutet Einsparung von Ressourcen, auch durch Vermeidung von Verschwendung, und damit letztlich finanziellen Mitteln. Die Folgen sind unter anderem eine Steigerung der Wertschöpfung und damit der Effizienz. Zudem wird die Kapitalbindung verringert. Die geringere Kapitalbindung zeigt sich als Reduktion der Fläche unter der Wertzuwachskurve.
Eine Minimierung der Kapitalbindung und damit der Fläche unter der Wertzuwachskurve kann erreicht werden durch:
- eine Verkürzung der Durchlaufzeit;
- die Senkung der Herstellungskosten;
- ein Prozessdesign, bei dem Arbeitsabläufe, die zu einer großen Wertschöpfung führen, möglichst spät erfolgen. Dadurch ergibt sich eine Modifikation der Steigung – die Wertzuwachskurve verläuft zu Beginn flach und erst am Ende steil.
Um Kostensenkungspotenziale erschließen zu können, bieten sich viele Maßnahmen an. Dazu gehören unter anderem die Reduktion der Anzahl benötigter Teile, die Standardisierung von Abläufen und Bauteilen, die Synchronisierung und Parallelisierung der einzelnen Fertigungsstufen sowie die Automatisierung und das Just-in-Time-Prinzip.
Wertschöpfung und Verschwendung
Die Wertzuwachskurve stellt die Wertschöpfung im Zeitverlauf – den Wertstrom – dar, in dem sie den Material- und Informationsfluss sowie die Abfolge von Tätigkeiten im Transformationsprozess anhand der anfallenden Kosten abbildet (Value Stream Mapping). Die Kurve zeigt damit sowohl wertschöpfende Primär- als auch nicht direkt wertschöpfende Unterstützungsaktivitäten auf.
Setzt man das Prinzip der Lean Production um und verwirklicht das Pull-Prinzip, bei dem der Kunde den Fertigungsprozess auslöst, kann der Wertzuwachs bzw. die Wertschöpfung anhand einer Wertstromanalyse in drei Leistungskategorien differenziert werden:
- Wertschöpfung. Sie besteht in der für die Kundschaft erkennbaren Erhöhung des Nutzwerts des Produkts im jeweiligen Produktionsschritt.
- Verschwendung Typ I. Hierzu gehören Leistungen, die aufgrund technischer, organisatorischer oder anderer (auch rechtlicher) Rahmenbedingungen notwendig sind, aber aus Kundensicht keinen Nutzen stiften. Diese Art der Verschwendung kann nicht vollständig eliminiert, aber minimiert werden.
- Verschwendung Typ II. Diese Leistungen sind nicht notwendig, um Rahmenbedingungen für die Wertschöpfung zu erfüllen, und werden von der Kundschaft auch nicht wahrgenommen. Sie können (kurzfristig) eliminiert werden (durch kontinuierliche Verbesserung, Kanban), um Kosten zu senken und Prozesse oder Verwaltungsabläufe zu verschlanken.
Sind alle Prozessschritte erfasst, können anhand der Leistungskategorien differenzierte Wertzuwachskurven erstellt werden. Ein Vergleich der Kurven schafft Transparenz über die Verschwendung. Um als Controlling-Instrument zu dienen, sollten die Kurven regelmäßig und produktbezogen erstellt werden, um den gesamten Produktionsablauf und dessen Verbesserung in zeitlicher Auflösung auswerten und dokumentieren zu können.
Der Nutzen der Wertzuwachskurve
Genutzt werden kann die Wertzuwachskurve, um …
- die aktuelle Situation des Unternehmens darzustellen. Visualisiert werden kann die Wertschöpfung im Transformationsprozess. Sichtbar werden aber auch unproduktive Abläufe, die insbesondere als Verschwendung Typ II kurzfristig eliminiert werden können.
- Verschwendung als monetär messbaren Anteil an den Herstellungskosten während des Transformationsprozesses zu bewerten.
- Maßnahmen zur Kostenreduktion oder zur Eliminierung von Verschwendung zu priorisieren.
- einzelne Maßnahmen zur Reduzierung von Verschwendung zu bewerten.
- das Management bei der Entscheidungsfindung zu unterstützen.
Fazit
Die Wertzuwachskurve ist ein Instrument, um Wertschöpfungs- und Kostensenkungspotenziale bei der Erstellung von Sach- und Dienstleistungen zu identifizieren. Sie bietet den Vorteil einer anschaulichen Visualisierung des Transformationsprozesses. Berücksichtigt werden dabei auch Produktvarianten und variierende Volumina sowie die damit verbundene Entwicklung der Kosten und Bestände. Die Wertzuwachskurve kann flexibel eingesetzt werden und sie hat hohen praktischen Wert, da viele Maßnahmen sofort beurteilt werden können.
Wird sie als einziges Instrument genutzt, ist ihre Aussagekraft sehr begrenzt, da sie sich immer nur auf ein Produkt oder einen Auftrag bezieht. In Kombination mit anderen Verfahren ist die Wertzuwachskurve aber ein anerkanntes Hilfsmittel zur Optimierung des Wertstroms.
Ihr Ansprechpartner

Torsten Klanitz
Produktmanager
Fon: +49 6151 8801 125
