Technischer Modellbauer – Ausbildung
Technische Modellbauer planen und fertigen maßstabsgetreue Modelle für Industrie und Handwerk nach Vorlagen. Dabei verwenden sie unterschiedliche Materialien wie Holz, Kunststoff, Metall, aber auch Papier oder Pappe. Je nach Fachrichtung stellen sie Modelle von Gebäuden und Innenausbauten, Karosserieteilen oder auch Gießereierzeugnisse her.
Was macht ein Technischer Modellbauer?
Ein Technischer Modellbauer stellt maßstabsgetreue, teils auch funktionsfähige Modelle von Gegenständen her. Welcher Art diese Gegenstände dies sind, hängt von der Fachrichtung ab, die er bei seiner Ausbildung einschlägt. Zur Auswahl stehen die drei Wege Anschauung, Gießerei sowie Karosserie und Produktion:
- In der Fachrichtung Anschauung stellen Technische Modellbauer Abbildungen von Gebäuden, Räumen, Maschinen oder Fahrzeugen her. Die Spanne der Arbeitgeber reicht hier von Architektur und Bauingenieurwesen über Fahrzeug- und Maschinenbau bis hin zu Herstellern von Haushalts- und Gartengeräten oder Spielwaren.
- In der Sparte Gießerei fertigen Technische Modellbauer Modelle von Gießereierzeugnissen an. Dabei berücksichtigen sie die unterschiedlichen Eigenschaften der zu verarbeitenden Metalle, also etwa Schmelztemperaturen und Verformbarkeit, um die Fertigungsverfahren und die Anzahl an Einzelteilen zur Herstellung des Endprodukts festzulegen. Ihr Einsatzgebiet ist damit die metallverarbeitende Industrie.
- Im Bereich Karosserie und Produktion werden Urformen von Fahrzeugen, Muster von Karosserieteilen oder auch Produktionsmodelle für die Einzel- und Serienfertigung im Formen- und Werkzeugbau angefertigt. Arbeitgeber sind also in der Regel Fahrzeughersteller und Maschinenbauer.
Die Technischen Modellbauer bauen Modelle anhand von Vorlagen wie Zeichnungen, Skizzen, Bauplänen oder Entwürfen. Die Vorstellungen der Konstrukteure und Designer oder auch Architekten und Bauingenieure konkretisieren sie mit CAD-Software (Computer Aided Design) und stellen sie als 2-D- und 3-D-Modelle virtuell dar. Diese sind die Grundlage für die Einzelstücke, die Technische Modellbauer dann per Hand oder mit computergesteuerten Maschinen fertigen. Als Materialien stehen Holz, Kunststoff, Papier, Pappe oder Metall zur Auswahl. Die Herstellung der Modelle erfolgt durch Arbeitsgänge wie Sägen, Bohren, Fräsen, Drehen und Schleifen, bevor die Einzelteile dann montiert, bemalt und/oder lackiert werden. Diese Realisierung in Form physischer Gegenstände macht das Ergebnis anschaulich; so können bereits Funktionen dargestellt oder Anforderungen für die Herstellung sichtbar gemacht werden, bevor die Serienproduktion startet.
Beim Umgang mit den unterschiedlichen Materialien, Handwerkzeugen und Maschinen haben Technische Modellbauer verschiedene Schutzmaßnahmen einzuhalten. So sind beispielsweise Handschuhe, eine Schutzbrille oder ein Gehörschutz zu tragen, wenn ihre Arbeit dies erfordert. Auch ein Atemschutz kann notwendig sein, um sich vor Stäuben und Dämpfen zu schützen, etwa beim Fräsen und Schleifen oder beim Bemalen und Lackieren.
Für wen ist die Ausbildung zum Technischen Modellbauer geeignet?
Wer als Jugendlicher bereits Bausätze von Flugzeug-, Schiffs- oder Automodellen zusammengesetzt und lackiert hat, in die Welt der Modellbahn eingetaucht ist oder sich für das Miniatur-Wunderland begeistern kann, hat gute Voraussetzungen für den Beruf des Technischen Modellbauers. Handwerkliches Geschick und Interesse an der Bearbeitung so unterschiedlicher Werkstoffe wie Holz, Metall, Kunststoff oder Papier sollte dazukommen. Detailgetreues Arbeiten ist von hoher Bedeutung, da die Ausführung Genauigkeit verlangt und die Modelle, den technischen Zeichnungen entsprechend, auf Maß gefertigt sein müssen. Feinmotorik ist essenziell, um auch feine Strukturen herausarbeiten oder ein Modell aus kleinsten Bauteilen zusammensetzen zu können, aber auch, um Modelle durch Fräsen, Bohren, Schleifen oder Kleben nachzubearbeiten, zu erweitern, umzugestalten oder zu reparieren. Technisches Verständnis wird bei funktionalen Zusammenhängen gefordert, wenn beispielsweise bewegliche Einzelteile montiert oder Modelle repariert werden. Ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen erleichtert die dreidimensionale Umsetzung der Konstruktionsideen. Dabei wird auch mathematisches Verständnis benötigt, um Vorgaben maßstabsgetreu umzusetzen. Auch hier wird ein gewissenhaftes Arbeiten verlangt.
In modernen Betrieben können auch Roboter die Technischen Modellbauer unterstützen, sodass diese neben ihren Händen auch Spitzentechnologie als „Arbeitsmittel“ einsetzen.
Ein Technischer Modellbauer sollte selbstständig und sorgfältig arbeiten, um funktionsfähige, maßstabsgetreue Miniaturen zu erstellen. Einsatzbereitschaft und ein wenig Körperkraft und Ausdauer sind notwendig, wenn zum Beispiel langwierige Polierarbeiten am Modell anstehen. Sind Modelle nachzubessern, sollte dies eigenständig erkannt und korrigiert werden.
Ein bestimmter Schulabschluss ist gesetzlich nicht vorgegeben, um die Ausbildung zum Technischen Modellbauer anzutreten. Von den insgesamt gut 110 Ausbildungsanfängern im Jahr 2022 hatten allerdings mehr als die Hälfte einen mittleren Schulabschluss und ein Viertel die Hochschulreife. Etwa jeder Sechste startete mit einem Hauptschulabschluss.
Wie läuft die Ausbildung zum Technischen Modellbauer ab?
Die Ausbildung erfolgt dual, also sowohl in der Berufsschule als auch in einem Ausbildungsbetrieb, und dauert dreieinhalb Jahre. Vermittelt werden die theoretischen Inhalte und die praktischen Fähig- und Fertigkeiten, die zur selbstständigen Ausübung der alltäglich anfallenden Arbeiten eines Technischen Modellbauers gehören. Am Ende des zweiten Ausbildungsjahrs erfolgt der erste Teil der sogenannten „gestreckten“ Abschlussprüfung. Der zweite Teil der Prüfung wird am Ende der Lehrzeit abgelegt. Mit deren Bestehen ist die dreieinhalbjährige Ausbildung beendet.
Der Berufsschulunterricht findet entweder an ein oder zwei Wochentagen statt oder wird zu mehreren mehrwöchigen Berufsschulblöcken an Schwerpunktschulen zusammengefasst. Zu den berufs- und fachspezifischen Ausbildungsinhalten gehören grundlegende Techniken der Materialbearbeitung, aber auch die Planung und Herstellung von Modellen sowie die Oberflächenbearbeitung und die Methoden zur Prüfung der ausgeführten Arbeiten. Zudem wird den Azubis erläutert, welche Rechte und Pflichten sie während der Ausbildung haben, wie der Ausbildungsbetrieb organisiert ist und welche umwelttechnischen Aspekte in den Beruf einfließen. Darüber hinaus stehen auch allgemeinbildende Fächer wie Deutsch oder Wirtschafts- und Sozialkunde auf dem Stundenplan.
Im ausbildenden Unternehmen steht die Praxis im Vordergrund, die je nach gewählter Fachrichtung unterschiedliche Aufgaben beinhaltet und voneinander abweichende Arbeiten erfordert. Allen Bereichen gemeinsam sind grundlegende Fertigkeiten wie das Erstellen von Fertigungsunterlagen, die Be- und Verarbeitung von Materialien sowie die Bedienung von Werkzeugen und Maschinen. Dazu kommt die Anwendung von Design-Programmen (CAD) sowie der Einsatz additiver Fertigungsverfahren wie dem 3-D-Druck, um Modelle herzustellen. Auch das Thema Kundenanforderungen wird berücksichtigt. Diese sind bei der Herstellung des Modells entsprechend den gewünschten Vorgaben angemessen umzusetzen.
Wie viel verdient ein Technischer Modellbauer?
Auszubildende im dualen System haben von ihrem Ausbildungsbetrieb eine angemessene Ausbildungsvergütung zu erhalten. Dies ist im Berufsbildungsgesetz (BBiG) geregelt. Im ersten Jahr der Berufsausbildung darf die monatliche Vergütung nicht unter 620 Euro brutto liegen, wenn die Lehre zwischen dem 01.01. und dem 31.12.2023 angetreten wurde (§ 17 Absatz 1 und 2 BBiG). Im zweiten, dritten und vierten Lehrjahr gibt es eine Steigerung um 18, 35 bzw. 40 Prozent, bezogen auf die Grundvergütung im ersten Jahr. Wurde die Ausbildung im September 2023 mit Mindestvergütung begonnen, gibt es im vierten Lehrjahr demnach mindestens 868 Euro brutto im Monat.
Die tatsächlich gezahlte Vergütung richtet sich bei Technischen Modellbauern nach der Zuordnung des Ausbildungsbetriebs zu Handwerk, Industrie oder Handel und nach der Tarifbindung des Unternehmens. Die tarifliche Vergütung im ersten Ausbildungsjahr als monatliches Brutto liegt
- im Handwerk bei 900 Euro,
- in der Metall- und Elektroindustrie zwischen rund 1.070 Euro und 1.200 Euro und
- in Ingenieur-, Architektur- und Planungsbüros bei gut 670 Euro.
Im vierten Jahr der Ausbildung liegt das monatliche Brutto laut Tarif
- im Handwerk bei 1.050 Euro,
- in der Metall- und Elektroindustrie zwischen rund 1.280 Euro und 1.400 Euro und
- in Ingenieur-, Architektur- und Planungsbüros bei knapp über 1.000 Euro.
Nach der Ausbildung erhalten Technische Modellbauer durchschnittlich ca. 3.000 Euro brutto monatlich als Einstiegsgehalt. Die beispielhafte tarifliche Monatsbruttogrundvergütung liegt gemäß Bundesagentur für Arbeit bei ca. 3.320 Euro bis 3.650 Euro. Auch hier variiert die Bezahlung je nach Bundesland und Unternehmensgröße, Berufserfahrung und Branche.
Wie kann ein Technischer Modellbauer aufsteigen?
Jeder Technische Modellbauer, ganz gleich welcher Fachrichtung, sollte auf dem aktuellen Stand seines Berufs bleiben, um den Überblick zu behalten und aktuelle Entwicklungen nicht zu übersehen. Anpassungsweiterbildungen sind das Mittel der Wahl, um die raschen technologischen Fortschritte bei den Fertigungsverfahren und in der Material- und Werkstoffkunde sowie bei der Digitalisierung zu begleiten. Hier sollten Seminare im Bereich CAD (Computer Aided Design), Holz- und Kunststoffkunde, NC-/CNC-Technik (Numerische Steuerung für Maschinen) sowie Metallverarbeitung und -umformung belegt werden. Themenfelder wie 3-D-Druck, 3-D-Simulation, digitales Dokumentenmanagement oder Holografie – speziell in der Fachrichtung Anschauung – gewinnen an Relevanz. Weiterbildungen in diesen Bereichen können wichtig sein für die eigene Karriere.
Aufstiegsweiterbildungen führen dagegen zu speziellen Fach- und Führungspositionen. Ein Abschluss als Modellbauermeister öffnet die Tür zur Führungsetage, etwa als Ausbilder, Abteilungs- oder Betriebsleiter oder ermöglicht sogar eine Existenzgründung.
Auch ein Studium ist für viele Modellbauer eine Option: Im Fachbereich Karosserie und Produktion kann ein Studium mit Schwerpunkt Fahrzeugtechnik oder Maschinenbau weitere Berufs- und Karrierechancen eröffnen. Im Bereich Anschauung sind Studienfächer wie Produktdesign, Industriedesign oder Produktentwicklung anschlussfähige Themengebiete. Wer im Bereich Gießerei weiterkommen möchten, sollte ein Studium in Metallurgie, Hüttenwesen oder Produktentwicklung anstreben.
Wird eine Führungsposition angestrebt, sollten auch die Softskills gestärkt werden. Führungskräftetrainings sind empfehlenswert, um sich für den Aufstieg auf der Karriereleiter zu rüsten. Wichtige Themen sind hier gute Gesprächsführung, Konfliktmanagement und auch Zeitmanagement. Zahlreiche Angebote an Online-Seminaren ermöglichen die Weiterbildung neben Beruf oder Studium und helfen, Zeit und Kosten zu sparen.
Hat es ein Technischer Modellbauer bereits in eine Führungsposition geschafft und möchte sich dann vor allem auf das Management konzentrieren, sollte er sich auch im Bereich Betriebswirtschaft das notwendige Know-how aneignen. Damit können unternehmerische Entscheidungen auf stabilen Grundlagen getroffen werden, um das Unternehmen sicher durch die sich schnell verändernden Märkte zu lenken.
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Torsten Klanitz
Produktmanager
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