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eco-Studie: Der Deutschland Case – Wie KI das industrielle Geschäftsmodell erneuert


Unternehmen in Deutschland erwirtschaften aktuell pro Jahr mehr als 120 Milliarden Euro Umsatz mit Produkten, die KI-Elemente enthalten. Künstliche Intelligenz (KI) wird damit zu einem Innovationstreiber und zentralen Wettbewerbsfaktor. Dabei steht die Anwendung vorhandener KI-Technologien und deren Ausrichtung auf spezielle Anforderungen einzelner Unternehmen im Vordergrund, nicht die Weiterentwicklung der (Basis-)KI-Modelle und -Systeme an sich.

Der Wettbewerbsvorteil deutscher Unternehmen ist dabei in der Nutzung der eigenen umfangreichen Datenbasis zu sehen, die in bestehende Produktions-, Entwicklungs- und Wertschöpfungsprozesse integriert wird. Diese Industrial AI („industrielle KI“) verbindet dank hoher technologischer Kompetenz Maschinen, Sensorik, Echtzeitdaten und lernende Modelle.

Der erfolgreiche, nachhaltige Einsatz von KI wird damit zu einer zentralen wirtschafts- und standortpolitischen Aufgabe. Zu gewährleisten sind dazu der Ausbau von KI-Kompetenzen durch Weiterbildungsmaßnahmen, der stabile und sichere Zugriff auf Daten hoher Qualität sowie leistungsfähige digitale Infrastrukturen. Zudem müssen die regulatorischen Rahmenbedingungen verlässlich und ausgewogen sein, um Unternehmen einerseits Planungs- und Investitionssicherheit zu bieten, ohne andererseits die Entwicklung und Anwendung neuer KI-Lösungen zu behindern.

Studiendesign

Die Studie „Deutschland Case“ basiert auf einem mehrstufigen methodischen Ansatz aus Literaturrecherche, Unternehmensbefragung und Analyse von Online-Stellenanzeigen. Dabei werden quantitative und qualitative Aspekte miteinander kombiniert, um ein umfassendes Bild zu aktuellen Entwicklungen und Wettbewerbsdynamiken in den Bereichen Technik und Nutzung von KI in Deutschland zu erhalten.

Die Literaturanalyse bezieht aktuelle Quellen und Forschungsergebnisse – bis 2026 – sowie empirische (statistische) Daten zum Technologieeinsatz, zu Investitions- und Innovationsstrategien ein. Bei der standardisierten Befragung wurden 500 Unternehmen und mehr als 80 KI-Start-ups (jeweils rund 15 Minuten) zum Einsatz von Cloud- und KI-Technologien, Auswahl- und Investitionsentscheidungen, Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit sowie regulatorischen Rahmenbedingungen interviewt; leider wurden weder der Befragungszeitraum noch die -methode (z. B. online oder telefonisch) angegeben. Die Antworten wurden nach Sektor (Industrie, Dienstleistung, Verwaltung), Branche und Firmengröße differenziert ausgewertet. Bei der Auswertung der Stellenanzeigen wurden rund 55 Millionen Annoncen aus mehr als 50.000 Quellen aufbereitet, die im Zeitraum 2019 bis 2025 online geschaltet wurden. Stellenanzeigen von Personalvermittlern und Zeitarbeitsfirmen wurden vorher bereits ausgesondert, um nur den Bedarf der ausschreibenden Unternehmen abzubilden.

Die Kernaussagen der Studie

Die Anzahl der organisationalen Anwender wächst

Die Nutzung von KI-Anwendungen ist in deutschen Unternehmen mittlerweile weit verbreitet. In den Jahren 2020 bis 2023 verdoppelte sich der Anteil der Nutzer von Jahr zu Jahr – bei allerdings sehr niedrigem Ausgangsniveau – von 1 auf 8 Prozent. Nach einer starken Zunahme in den Jahren 2024 und 2025 auf 18 und dann 35 Prozent scheint die dynamische Entwicklung an Schwung zu verlieren. 2026 liegt der Anteil bei 40 Prozent, was auf eine gewisse Sättigung hindeutet.

Die Anwendungsbreite nimmt zu

Eingesetzt werden in den befragten Unternehmen durchschnittlich 2,7 KI-Basismodelle – obwohl im Schnitt 6,4 dieser Anwendungen bekannt sind. Rund 75 Prozent der Firmen verfolgen dabei eine „Multi-Modell-Strategie“, bei der die KI-Systeme gezielt für bestimmte Einsatzgebiete ausgesucht werden.

Text- und Sprachverarbeitung nutzen 90 Prozent der Anwender, Bild- und Videoanalysen ca. 50 Prozent. Ebenfalls 50 Prozent der Betriebe setzt KI bei der Prozessautomatisierung ein. Weniger Bedeutung haben KI-Systeme bei Vorhersagemodellen, im Kundenservice und bei der Softwareentwicklung.

Sichtbar wird diese Entwicklung auch an den ausgeschriebenen Stellen. KI-Kompetenzen werden mittlerweile in vielen Unternehmensbereichen erwartet – nicht mehr nur in der Informationstechnik (IT). Richteten sich 2019 noch die Hälfe der Annoncen an IT-Fachkräfte mit KI-Know-how, waren es 2025 nur noch ein Drittel. Der Einsatz von KI beschränkt sich also nicht mehr nur auf technische Bereiche und IT-Abteilungen. KI-Systeme etablieren sich zusehends zu einer Basis- und Querschnittstechnologie und Anwendungskenntnisse werden in immer mehr Berufsbildern erwartet.

Die Budgets für Investitionen steigen

Knapp zwei Drittel der befragten Unternehmen (64 %) haben vor, ihre Investitionen in KI zu erhöhen. Ausschlaggebender Faktor für diese Entscheidung ist die Leistungsfähigkeit der KI-Anwendungen (64 %). 43 Prozent der Interviewpartner bestätigten daneben aber einen hohen Einfluss der regulatorischen Rahmenbedingungen, die verlässlich sein und damit eine langfristige Planung ermöglichen müssten. Hier wird noch Handlungsbedarf verortet.

Spiegel der Dynamik: Start-ups

Rund 70 % der in die Umfrage einbezogenen KI-Start-ups wurden seit 2021 gegründet. Ihr Geschäftsmodell ist in der Regel die Planung und Entwicklung von KI-Systemen für hochspezialisierte Aufgaben. Als Dienstleister im Auftrag von Unternehmen, aber auch als Anbieter von neuen, innovativen technologischen Lösungen setzen sie darauf, bestehende Modelle gezielt weiterzuentwickeln und auf bestimmte Anwendungsfälle zuzuschneiden. Der Einsatz von KI wird so zu einem strategischen Innovationsfeld für junge technologieorientierte Unternehmen.

KI als Wettbewerbsvorteil für deutsche Industrieunternehmen

Deutschland hat eine starke industrielle Basis; ihr Anteil an der Wertschöpfung beträgt rund 20 Prozent. Grundlage dafür sind Fachkräfte mit ausgeprägten Kompetenzen in Produktionstechnologien, eine starke angewandte Forschung und der Zugang zu umfangreichen Datenbeständen. Damit bieten sich beste Voraussetzungen dafür, KI-Systeme mit spezifischen Anwendungen zu verknüpfen und daraus Wettbewerbsvorteile zu generieren. Voraussetzung dafür ist, dass Hardware, Sensorik und lernende KI-Modelle in Echtzeit mit hoher Robustheit in vorhandenen Prozess- und Systemlandschaften zusammenwirken.

Drei Nutzungsformen von KI lassen sich dabei unterscheiden. Weit verbreitet und nahezu gleichauf in ihren Anteilen an der gesamten Industrie sind Unternehmen, die ausschließlich Standardangebote von KI-Lösungen einsetzen (46 %), sowie Betriebe als „duale Anwender“, wie sie in der Studie genannt werden. Diese verwenden für Routineaufgaben fertige KI-Systeme, entwickeln aber auch bestehende KI-Modelle für ihre eigenen Zwecke. Deutlich weniger vertreten sind Firmen, die als sogenannte „KI-Spezialisierer“ bestehende Modelle nur als Grundlage für ihre eigenen Entwicklungen nutzen und Anwendungen speziell für ihre Belange zuschneiden. Auf diesen Markt drängen insbesondere die KI-Start-ups als Dienstleister und Anbieter von Industrielösungen.

Ausschlaggebend für die Eigenentwicklung von KI-Lösungen statt der Nutzung vorgefertigter Standardsysteme ist die Bedeutung, die den internen operativen Daten bei der Wertschöpfung zugemessen wird. Während weniger als ein Viertel der Nutzer (23 %) von Standardlösungen diese Daten als Erfolgsfaktor ansehen, sind es mehr als die Hälfte (54 %) der dualen Anwender und der Spezialisierer.

Innovation und Beschäftigungswachstum

Mehr als 70 Prozent der Industrieunternehmen, die KI nutzen, zählen zu den Innovatoren. Gut ein Drittel von diesen hat seit 2023 KI-unterstützt eine Prozess- oder Produktinnovation umgesetzt. Bei Betrieben, die keine KI einsetzen, liegt der Anteil dagegen bei 20 Prozent.

Die Innovationsfähigkeit hat direkte Auswirkungen auf das Einstellungsverhalten und die Beschäftigtenzahlen. Das durchschnittliche Beschäftigungswachstum lag 2025 bei Unternehmen, die Innovationen unter Einsatz von KI generierten, bei 11,5 Prozent – im Gegensatz zu 1,1 Prozent bei den Firmen, die auf KI-Lösungen verzichteten.

Fazit

KI-Modelle werden, auch aufgrund der Entwicklung von KI-Agenten und multimodalen Systemen, immer leistungsfähiger. Die Anwendungsfelder in den verschiedenen Bereichen der Wirtschaft werden daher noch weiter wachsen. Industrieunternehmen in Deutschland bietet sich damit die Perspektive, traditionelle Stärken mit innovativen digitalen Technologien zu verbinden und Produktivität, Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu steigern.

Hier geht es zur eco-Studie: Der Deutschland Case – Wie KI das industrielle Geschäftsmodell erneuert

Zu eco

Bei eco handelt es sich um einen der führenden Verbände für Internetwirtschaft in Europa. Das Ziel des am 26. Juni 1995 in Bonn von „Internet-Freunden“ – Personen aus Forschung, Wirtschaft und Anwendungspraxis – als eco – Verband der deutschen Internetwirtschaft e. V. gegründeten Vereins ist die Förderung der kommerziellen Nutzung des Internets. Satzungszweck ist die Entwicklung und kritische Begleitung neuer Technologien, der Ausbau der Infrastrukturen und die Überwachung der Märkte. Dazu gehört auch die Gestaltung der notwendigen Rahmenbedingungen, die durch die Beratung der Politik in Deutschland und in der EU sowie die Beteiligung an internationalen Gremien vorangetrieben wird.

So war eco 1997 an der Formulierung des deutschen Informations- und Telekommunikationsdienste-Gesetzes (IuKDG) beteiligt und betrat 1999 als Gründungsmitglied von INHOPE, die internationale Dachorganisation von Internet-Beschwerdestellen, die globale Ebene. Seit Jahren ist eco zudem Partner des Digital-Gipfels der Bundesregierung und engagiert sich als Mitveranstalter und Themengeber der Veranstaltung. 2010 rief eco die Internet Security Days (ISD) ins Leben. Des Weiteren unterstützt eco zahlreiche Initiativen und Förderprojekte für eine nachhaltige, verantwortungsvolle und sichere digitale Transformation, publiziert Fachbeiträge und führt Studien durch.

Der Name eco leitet sich aus der englischsprachigen Bezeichnung „electronic commerce“ für „elektronischer Handel“ ab. Aufgrund der Ausweitung der Aktivitäten über die deutschen Grenzen hinaus wurde 2015 der Zusatz „deutsche“ aus dem Vereinsnamen gestrichen. Derzeit ist eco mit mehr als 1.000 Mitgliedsunternehmen weltweit in über 70 Ländern vertreten. Geschäftsstellen befinden sich im Hauptsitz in Köln sowie in Berlin und Frankfurt. 2016 wurde ein zusätzliches Büro in Brüssel eingerichtet, um die Interessen der Internetwirtschaft auch auf EU-Ebene vertreten zu können. In Frankfurt betreibt eco seit über 25 Jahren den Frankfurter Internet-Austauschknoten DE-CIX (Deutscher Commercial Internet Exchange). Dieser war 2018 der größte Internetknoten der Welt, heute ist es der größte Europas. Dadurch wurde eco selbst Teil der Branche und Gestalter des Internets.

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