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EY European AI Barometer 2025: Von Bedenken zu Vertrauen


Anwendungen und Systeme, die auf künstlicher Intelligenz (KI) beruhen, werden von immer mehr Menschen – sowohl beabsichtigt als oft auch unwissentlich – genutzt, sowohl im Privatleben als auch im beruflichen Alltag. Dabei transformiert KI ganze Branchen in einem beispiellosen Tempo, wirkt als Innovationstreiber und verändert die Arbeitsweise und die Geschäftsmodelle von Unternehmen. Wirtschaft und Politik müssen sich damit auseinandersetzen, welche Chancen und Risiken sich aus dem Einsatz von KI ergeben, welche Auswirkungen KI auf die Art und Anzahl der Arbeitsplätze hat und welche regulatorischen Rahmenbedingungen notwendig sind, um ihre Komplexität zu bewältigen. Unternehmen müssen Strategien entwickeln, um die mit KI verbundenen Herausforderungen zu meistern und KI-Anwendungen nutzbringend einsetzen zu können. Das EY European AI Barometer 2025 zeigt auf, wie sich die Perspektive von Unternehmen und ihren Mitarbeitern auf KI-Anwendungen im vergangenen Jahr verändert hat.

Studiendesign

Für das „European AI Barometer 2025“ wurden im Zeitraum von Januar bis März 2025 4.942 Führungskräfte und Mitarbeiter von Unternehmen aus 21 Branchen in 9 westeuropäischen Ländern befragt. Deutschland und Frankreich stellten mit jeweils 1.000 Interviewten bereits 40 % der Befragten. In Italien und den Niederlanden wurden 539 bzw. 503 Personen interviewt, in Österreich, der Schweiz und Spanien jeweils genau 500 sowie in Belgien und Portugal exakt je 200. Der Anteil von Männern (49 %) und Frauen (51 %) war dabei nahezu paritätisch verteilt. Bei 39 % der Interviewpartner handelte es sich um leitende Angestellte, bei 61 % um Mitarbeiter ohne Leitungsfunktion.

Die meisten Befragten stammen aus dem Bereich Gesundheit (560). Es folgen die Bereiche Konsumgüter und Einzelhandel (485), Beratung (441), Technologie, Medien und Telekommunikation (416) sowie öffentlicher Dienst (399). Deutlich weniger Interviewpartner waren in den Bereichen Logistik und Transport (310), Industrielle Produkte (272), Finanzwesen (262), Immobilien und Bau (243) sowie Tourismus und Freizeit (232) tätig. Aus der Automobilbranche nahmen nur 172 Personen an der Umfrage teil. Weitere Branchen waren Mode und Luxus (123), Advanced Manufacturing (112) und Landwirtschaft (111). Versicherungen (87), Energie (82), Chemie (67), Sport (67), Luft- und Raumfahrt (63), Wissenschaft (39) sowie Bergbau und Metalle (38) stellten zusammen mit den „sonstigen“ Branchen (361) rund 16 % der befragten Personen.

Zentrale Ergebnisse der Studie

Ein Vergleich mit den Zahlen der Studie aus dem Jahr 2024 zeigt, dass sich die Anzahl der Nutzer von KI im betrieblichen Umfeld erheblich erhöht hat. Dementsprechend besteht eine steigende Nachfrage nach Fortbildungsmöglichkeiten für die Angestellten. Aber auch das Bewusstsein für die ethischen Herausforderungen, die einzelne KI-Technologien aufwerfen – von großen Sprachmodellen (LLMs) und Deep Learning (DL) bis hin zu Computer Vision und generativer KI (GenAI) – ist gewachsen.

Der vermehrte Einsatz von KI in der Produktion hat dazu geführt, dass die Produktionsstandards gehoben wurden. Fehlerquoten und damit Kosten konnten reduziert, Durchlaufzeiten verringert werden. Termingenauigkeit, Service- und Produktqualität haben sich verbessert, die Produktivität und die Kundenzufriedenheit sind gestiegen. Die Kehrseite der Medaille zeigen die zunehmenden Diskussionen über Datennutzung sowie Datensicherheit und Datenschutz. Hier erhöhen das wachsende Bewusstsein der Öffentlichkeit und die Rechtsunsicherheit der Unternehmen aufgrund unpräziser und in weitem Rahmen auslegbarer Vorgaben den Druck auch auf die Regierungen und die EU – trotz EU AI Act. Da in weltwirtschaftlich bedeutenden Staaten wie den USA aber gerade die rechtlichen Beschränkungen wieder gelockert werden und China als KI-Entwickler und -Anbieter sich im Wettlauf mit den USA befindet, läuft Europa Gefahr, seine führende Position beim Einsatz von KI-Systemen in der Wirtschaft zu verlieren.

Die Kernaussagen des KI-Barometers beziehen sich auf sechs Bereiche: Akzeptanz und Einsatz der KI aufseiten der Beschäftigten, Regulatorik, finanzielle Vorteile für das Unternehmen, Produktivitätssteigerungen, Aufbau und Nutzung von Kompetenzen sowie strategischen Investitionen.

Akzeptanz und Einsatz von KI

Hier ist der Trend eindeutig positiv: KI-Systeme werden öfter und lieber eingesetzt als noch im Vorjahr. 2025 haben 78 % der Befragten angegeben, KI-Anwendungen genutzt zu haben oder aktiv zu nutzen – im Vergleich zu 72 % im Vorjahr. Fast die Hälfte der Interviewten setzt KI dabei aktiv am Arbeitsplatz ein. Am höchsten ist dieser Anteil mit rund 90 % in den Branchen Technologie, Medien und Telekommunikation, Advanced Manufacturing, Energie und Finanzwesen, am niedrigsten mit 70 % im öffentlichen Dienst und im Gesundheitssektor. Die positive Einstellung der Nutzer gegenüber der KI überwiegt, auch wenn sie die Aufgabenprofile verändert und viele Angestellte erwarten, dass sie Teile ihrer Aufgaben übernehmen wird und deshalb Arbeitsplätze abgebaut werden könnten. Die Trends bei der Akzeptanz sind deutlich: Männer sind der KI gegenüber aufgeschlossener als Frauen (75 % vs. 66 %), Führungskräfte eher als Mitarbeiter (82 % vs. 63 %) und jüngere deutlich mehr als ältere Angestellte (18 bis 35 Jahre: 78 %; 51 bis 65 Jahre: 61 %).

Eingesetzt wird die KI überwiegend zur Textgenerierung (61 %). Sprachassistenten und Chatbots sowie Übersetzungsprogramme folgen mit großem Abstand (39 % bzw. 30 %). In den Bereichen Human Resources und Finanzen sind KI-Anwendungen noch nicht etabliert (11 %).

61 % der aktuell Befragten sind der Meinung, dass KI-Anwendungen ihren Arbeitsalltag beeinflussen werden – ein enormer Anstieg im Vergleich zu 2024 (50 %) – Männer eher als Frauen 64 % vs. 58 %), Manager eher als Mitarbeiter (70 % vs. 56 %), Junge (rund 66 %) eher als Ältere (51 %). Rund 42 % der Interviewten sorgen sich daher um ihre Arbeitsplatzsicherheit, denn drei Viertel gehen davon aus, dass KI zu einem verringerten Personalbedarf führen wird – 2024 waren dies noch gut zwei Drittel. Daher bilden sich 57 % der Umfrageteilnehmer weiter – im Verglich zu 37 % im Jahr 2024. Darunter sind mehr Männer (63 %) als Frauen (51 %) und mehr Führungskräfte (70 %) als Angestellte ohne Leitungsfunktion (48 %) sowie mehr junge (knapp 70 %) als ältere Personen (52 %).

Regulatorik und Unternehmenspolitik 

Als wichtigste Faktoren für die Nutzung von KI-Anwendungen wurden von den Interviewpartnern Datenschutz und Sicherheit (57 %), das Nutzererlebnis (38 %) und ethische Überlegungen (31 %) genannt. 61 % der Befragten bewerteten dabei den EU AI Act als guten Ansatz und rechnen mit positiven Effekten aufgrund des somit bestehenden Rechtsrahmens. Bemängelt wird dagegen von 48 % der Umfrageteilnehmer, dass der eigene Arbeitgeber keine KI-spezifischen Unternehmensrichtlinien als ethischen Rahmen vorgibt und das Risikomanagement nur gering ausgeprägt ist. Hier gehen die Meinungen zwischen Management (39 %) und Mitarbeitern (60 %) allerdings weit auseinander. Weiterhin geben 24 % aller Befragten an, dass formale Risikobewertungen für KI-bezogene Entscheidungen verwendet werden.

Finanzielle Vorteile durch KI-Einsatz

Die Anwendung von KI führt zu messbaren finanziellen Vorteilen: 56 % der Befragten berichten von gestiegenen Gewinnen und reduzierten Kosten: Das ist eine deutliche Steigerung im Vergleich zu 2024, wo nur 45 % über dieses Ergebnis berichteten. In einem Drittel der Fälle handelte sich dabei um positive finanzielle Effekte in der Größenordnung von 5 bis 15 Mio. Euro.

Produktivitätssteigerungen

Nicht nur die direkten finanziellen Effekte sind messbar, auch die Auswirkungen auf die Produktivität sind spürbar. 43 % der Befragten sehen deutliche Verbesserungen – Männer (48 %) häufiger als Frauen (39 %) und Manager (56 %) häufiger als Angestellte ohne Leitungsfunktion (35 %). Besonders ausgeprägt sind die positiven Effekte bei Unternehmen aus den Bereichen Technologie, Medien und Telekommunikation (60 %) sowie Advanced Manufacturing (59 %) – vermutlich aufgrund des hohen Einsatzes von KI in diesen Branchen.

Die Wahrnehmung der Auswirkung von KI auf die Produktivität ist aber gespalten: 57 % der Manager sehen einen Produktivitätszuwachs bei den von ihnen geführten Teams, aber nur 32 % der Angestellten stellen eine Leistungssteigerung auf Managementebene fest. Diese Diskrepanz zeigt auf, dass organisationsinterne Monitorings und Berichtssysteme angepasst werden müssen, um zu quantifizierbaren Ergebnissen zu kommen und die Produktivität transparent und objektiv messen zu können.

Aufbau von Kompetenzen und Kapazitäten

Die Investition in KI lohnt sich – unter drei Voraussetzungen: 1. Die Ziele, die mit ihr erreicht werden sollen, müssen klar definiert sein. 2. Es müssen die passenden Anwendungen und Systeme ausgewählt und eingeführt werden. 3. Die Mitarbeiter sind entsprechend zu qualifizieren. Die notwendige Personalentwicklung erfordert maßgeschneiderte Schulungsprogramme und ein leistungsbasiertes Talentmanagement. Die Zufriedenheit der Mitarbeiter mit den KI-Schulungsangeboten ist aber insgesamt eher dürftig. Drei Viertel der Befragten gaben an, mit dem Angebot unzufrieden zu sein, 37 % fordern mehr Maßnahmen. Auch hier öffnet sich wieder die Schere zwischen Management und Mitarbeitern: 53 % der Führungskräfte, aber nur 17 % der Angestellten ohne Leitungsfunktion sind der Meinung, die Mitarbeiter seien angemessen auf die Umwälzungen durch KI vorbereitet.

Strategische Investitionen in KI

Unternehmen planen erhebliche Investitionen in KI, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Im Durchschnitt sind die befragten Organisationen bereit, knapp 1,5 Mio. Euro in KI-Technologien zu investieren. Bei 16 % liegt der Investitionsrahmen zwischen 1 und 5 Mio. Euro, 5 % beabsichtigen höhere Investitionen.

Dies lohnt sich aber nur, wenn Unternehmen ihre KI individuell gestalten und nahtlos in ihre Abläufe – auch bei einem erweiterten Business-Modell – integrieren. Datengestützte Entscheidungen sollten dann die Norm und nicht die Ausnahme sein. Entscheidungsträger sollten die Skalierbarkeit und die Flexibilität von KI-Tools bewerten, um sicherzustellen, dass sie sich an die Bedürfnisse der Organisation anpassen können. Zudem können Partnerschaften mit KI-Spezialisten oder Start-ups die Innovation beschleunigen und gleichzeitig die Kosten und Risiken der internen Entwicklung mindern. Darüber hinaus müssen Unternehmen einen Rahmen für den verantwortungsvollen Einsatz von KI schaffen, um ihre Investitionen in KI zu begleiten.

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