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Konstanzer KI-Studie 2025: KI am Arbeitsplatz – steigende Nutzung, anhaltende Ungleichheit


Studientitel und Herausgeber

Korrekt lautet der sperrige Originaltitel der Studie „Die Nutzung von Künstlicher Intelligenz in der Arbeitswelt steigt, Ungleichheiten in der Wahrnehmung bleiben weiterhin bestehen – Ergebnisbericht Juli 2025“. Herausgegeben wurde der Ergebnisbericht, der über das Konstanzer Online-Publikations-System (KOPS) zugänglich ist, vom Future of Work Lab Konstanz, das von Prof. Dr. Florian Kunze geleitet wird. Er ist seit Juli 2014 Inhaber des Lehrstuhls für Organizational Behavior am Fachbereich Politik- und Verwaltungswissenschaft der Universität Konstanz. Darüber hinaus ist er Principal Investigator des Exzellenzclusters „The Politics of Inequality“, zu dem er und seine Arbeitsgruppe im Forschungsbereich Management und Verwaltungswissenschaft der Konstanzer Universität gehören.

Studiendesign

Die Konstanzer KI-Studie ist ein mehrjähriges Forschungsprojekt. Mit diesem Ansatz wird das Ziel verfolgt, die Veränderungen in der Arbeitswelt zu untersuchen, die auf den Einsatz von Systemen und Anwendungen künstlicher Intelligenz (KI) zurückzuführen sind.

Befragt wurde dazu eine repräsentative Stichprobe der deutschen Erwerbsbevölkerung zur Wahrnehmung und Nutzung von KI am Arbeitsplatz. Die Befragung erfolgt schriftlich per Fragebogen auf einem Online-Panel. In einer ersten Erhebungswelle im März 2024 wurden die Antworten von 2.019 Personen ausgewertet. In einer Folgeerhebung im Mai 2025 wurde ein Teil der ursprünglichen Interviewpartner (1.024) erneut zu diesem Themenkomplex befragt, um Entwicklungen im Zeitverlauf abbilden zu können.

Die Teilnehmer an der ersten Erhebung waren durchschnittlich etwas über 44 Jahre alt und gehörten knapp 12 Jahre ihrer Organisation an, die der zweiten hatten ein Durchschnittsalter von rund 48 Jahren, die Betriebszugehörigkeit lag bei rund 14 Jahren. Jeweils ca. 30 Prozent der Befragten besetzen eine Führungsposition. Bei den Tätigkeiten der Umfrageteilnehmer wurde unterschieden zwischen (1) körperlichen oder produzierenden Arbeiten, (2) Büro- oder Wissenstätigkeiten sowie (3) sonstigen Aufgaben. Die Anteile lagen 2024 bei 34 %, 60 % sowie 6 Prozent und verschoben sich 2025 leicht auf gerundete 29 %, 62 % und 10 %.

Zentrale Ergebnisse der Studie

Die Kernaussage der Erhebung lässt sich in zwei Sätzen zusammenfassen:

  1. Immer mehr Beschäftigte in Deutschland nutzen KI am Arbeitsplatz – allerdings insbesondere bei wissensintensiven Tätigkeiten.
  2. Je höher das Bildungsniveau der Anwender und je größer das Unternehmen als Arbeitgeber ist, desto akzeptierter und wirkungsvoller ist der Einsatz von KI.

Daraus lässt sich schließen, dass KI das Potenzial hat, den Arbeitsmarkt und damit die Bevölkerung zu spalten. Denn die Ungleichheit bei der Anwendung von KI wächst: Weniger qualifizierte Personen und solche in kleineren Unternehmen oder Handwerksbetrieben haben kaum Zugang zu KI-Systemen und werden in deren Umgang auch nicht geschult. Personen mit höherem Bildungsabschluss finden leichter – auch privat – Zugang zu KI-Anwendungen und erhalten in Großunternehmen, in denen KI-Systeme in verschiedenen Bereichen bereits häufig genutzt werden, auch eher Schulungen zu deren Einsatz. Der Wechsel von einem Kleinunternehmen zu einem mittelständischen Betrieb oder einem Industriekonzern wird aufgrund fehlender Fähigkeiten und mangelnder Erfahrung im Einsatz von KI erschwert. Es bildet sich eine zunehmende Kluft zwischen Berufsgruppen und Bildungsniveaus aus.

Die Ergebnisse im Einzelnen

Die alltägliche Nutzung von KI-Instrumenten am Arbeitsplatz ist in Deutschland innerhalb eines Jahres – von 2024 auf 2025 – insgesamt von 24 % auf 35 % gestiegen. Besonders stark ausgeprägt ist der Einsatz von KI in wissensintensiven Tätigkeiten wie IT, Verwaltung oder Forschung, der im genannten Zeitraum von 30 % auf 45 % zugenommen hat. In der Produktion sowie im Handwerk wird KI deutlich seltener genutzt, aber auch hier gibt es einen Zuwachs (von 17 % auf 24 %). Am häufigsten eingesetzt werden Programme zur automatisierten Textgenerierung (wie ChatGPT) und zur Übersetzung von Texten. Speziellere Anwendungen betreffen die Produktionssteuerung und Robotik, das Qualitätsmanagement sowie die Routenplanung in der Logistik. Nahezu jeder fünfte Befragte äußerte allerdings die Befürchtung, dass KI negative Auswirkungen auf seine berufliche Tätigkeit haben könnte; knapp ein Drittel sah sich zu einer solchen Abschätzung nicht in der Lage. Die Unsicherheit bleibt also hoch.

Fast die Hälfte der Beschäftigten (46 %) erwartet – in den nächsten 10 Jahren – schwerwiegende Risiken für den gesamten Arbeitsmarkt durch die KI-gesteuerte Automatisierung, aber nur jeder Fünfte befürchtet den Verlust des eigenen Arbeitsplatzes. Hier bestehen allerdings je nach Alter teils deutliche Unterschiede in der Einschätzung. Den individuellen Arbeitsplatz durch die Automatisierung in Gefahr sieht rund ein Viertel der Beschäftigten bis 50 Jahre und nur etwa jeder Siebte von denen über 50. Die Einschätzung von KI und Automatisierung als Risiko für den gesamten Arbeitsmarkt wächst allerdings mit dem Alter: 21 % der Arbeitnehmer bis 35 Jahre und 45 % derjenigen zwischen 36 und 50 Jahren sowie 49 % der älteren sehen hier eine Gefahr.

Positive Effekte durch den Einsatz von KI erwarten 43 % der Beschäftigten in Büro- und Wissensarbeit, aber nur 24 % bei denjenigen in Produktion und Handwerk. In beiden Gruppen ist aber die Bereitschaft zur Fortbildung im Vergleich zum Vorjahr gestiegen (von 43 % auf 54 % bzw. von 27 % auf 37 %).

Das Bildungsniveau hat erhebliche Auswirkungen auf den Einsatz und die Akzeptanz der KI-Anwendungen und beeinflusst auch stark die Motivation, sich fortzubilden. Beschäftigte mit abgeschlossenem Studium nutzen KI dabei dreimal so häufig wie Personen mit niedrigem Bildungsabschluss bei der Arbeit (51 % vs. 15 %). Sie unterscheiden sich ebenso deutlich in ihrer positiven Einstellung gegenüber den KI-Systemen (49 % vs. 19 %) und auch in der Bereitschaft, an KI-Schulungen teilzunehmen (61 % vs. 28 %). Unabhängig vom Bildungsabschluss hat sich aber im letzten Jahr die Einstellung zur Nutzung von KI und einer entsprechenden Weiterbildung deutlich positiv entwickelt.

Die Unternehmensgröße ist ein zentraler Faktor sowohl im Hinblick auf die Kommunikation von KI-Themen als auch auf die Fortbildungsangebote für die Mitarbeiter. Gerade kleine Betriebe (≤ 49 Beschäftigte) investieren wenig in Weiterbildungsmaßnahmen oder den Umgang mit KI (8 %), während rund ein Drittel der Großunternehmen (32 %) ihren Mitarbeitern KI-Schulungen ermöglicht. Auch die Kommunikation mit der Führungskraft über das Thema KI unterscheidet sich zwischen Kleinbetrieben und Großunternehmen gravierend. Während in nicht einmal 10 % der Erstgenannten KI thematisiert wird, steht in gut einem Viertel (28 %) der großen Organisationen die Auseinandersetzung mit KI auf der Agenda.

Fazit

Die Ergebnisse der Studie weisen darauf hin, dass das Potenzial der KI von Beschäftigten und Betrieben nicht gleichmäßig genutzt wird. Vielmehr verstärkt es bestehende strukturelle Ungleichheiten. Daher besteht die Gefahr, dass sich bestimmte Beschäftigtengruppen immer stärker vom technologischen Fortschritt abkoppeln, weil ihnen der Zugang zur Nutzung von KI, Weiterbildungsangebote und betriebliche Unterstützung fehlen.

Hier geht es zum Download der Studie: Die Nutzung von Künstlicher Intelligenz in der Arbeitswelt steigt, Ungleichheiten in der Wahrnehmung bleiben weiterhin bestehen

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