KPMG-Studie: Generative KI in der deutschen Wirtschaft 2026
Die Titel der diesjährigen Ausgabe der von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG seit 2024 jährlich durchgeführten Studie „Generative KI in der deutschen Wirtschaft 2026" wird ergänzt mit dem Zusatz: „Jetzt geht es nicht mehr darum, ob KI eingesetzt wird. Entscheidend ist, wie gut die Transformation gelingt." Daraus lässt sich ableiten: Die strategische Bedeutung der generativen KI wird kaum noch infrage gestellt. Immer wichtiger wird daher die operative Umsetzung: Wie können Unternehmen KI nutzbringend einsetzen, steuern und skalieren?
Hier setzt die Studie an. Sie zeigt auf, wie gut KI in Unternehmen integriert wird – auf strategischer, organisatorischer, technologischer und kultureller Ebene. Dabei wird eine Verschiebung vom abstrakten Gedankenspiel und der prototypischen Anwendung hin zur Praxis deutlich. Die Messung des Erfolgs und die Steuerung der Investitionen sowie die Befähigung der Beteiligten gewinnen an Gewicht. Aber ein Gesamtkonzept zur Integration der KI fehlt oft noch. Der Umfang der Nutzung von KI ist also in den Betrieben sehr unterschiedlich. Die Quintessenz lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Erfolge im Detail, aber kein Durchbruch in der Breite.
Das Studiendesign
Um die Verbreitung und Nutzung von KI in der deutschen Wirtschaft zu klären, wurden im März 2026 480 Führungskräfte in unterschiedlichen Positionen per strukturiertem Telefoninterview befragt. Um einen möglichst breiten Überblick über die Verteilung der KI-Anwendungen in den verschiedenen Wirtschaftsbereichen zu erhalten, wurden jeweils 30 Entscheider aus 16 Branchen interviewt – von Industrie und Logistik über beispielsweise Bau, Energie, Gesundheitswesen oder Medien bis zu Banken und Versicherungen. 23 % der Befragten gehörten der obersten Führungsebene an, also der Unternehmensleitung, 40 % als Divisions- oder (Geschäfts-)Bereichsleiter der oberen Führungsebene und 37 % der mittleren Führungsebene, etwa als Abteilungsleiter. 56 % der Unternehmen konnten einen Jahresumsatz von mehr als 1 Milliarde Euro verzeichnen, 32 % lagen unter 500 Millionen Euro. Gut ein Viertel der Firmen (26 %) hatten mehr als 10.000 Mitarbeiter, knapp die Hälfte (50 %) zwischen 1.000 und 10.000. Ebenfalls gut ein Viertel (26 %) waren Betriebe mit 250 bis 1.000 Beschäftigten.
Der Verständnisrahmen für KI
Zunächst einmal wird der Verständnisrahmen für KI und ihre Anwendungsmöglichkeiten gesetzt – hier werden sozusagen die „Bewusstseinsebenen" der Künstlichen Intelligenz aufgezeigt.
Basis und technologische Grundlage ist in den meisten Fällen ein Large Language Model (LLM), das natürliche Sprache verarbeitet und generiert. Darauf setzen die Anwendungen der generativen KI auf. Sie erzeugen neue Inhalte, angefangen bei Texten und Programmcodes bis hin zu Zusammenfassungen und Analysen. Die nächste Stufe ist agentische KI. Hier arbeiten mehrere KI-Systeme als digitales, arbeitsteiliges Team zusammen. Sie planen Aufgaben, suchen Instrumente zu deren Erfüllung aus und organisieren und koordinieren die Durchführung: Dann stellen sie die Ergebnisse zusammen und leiten daraus Schlussfolgerungen oder Vorschläge ab. Die übergeordnete Trusted AI („vertrauenswürdige Künstliche Intelligenz") soll dann dafür sorgen, dass der Einsatz der KI auf allen Ebenen rechtmäßig, regelkonform, verantwortungsvoll und transparent erfolgt. Inwieweit dies bereits der Fall ist, wird nicht weiter ausgeführt.
Die Kernaussagen der Studie
Es gibt mittlerweile fast kein Unternehmen mehr, in dem KI nicht genutzt wird. Denn aus der Perspektive der Führungskräfte nimmt die Bedeutung der Nutzung von KI für das eigene Geschäftsmodell und die zukünftige Wertschöpfung zu: Hielten im Jahr 2024 nur 56 % der Entscheider KI für wichtig, waren es 2025 bereits 91 %. 2026 erreichte der Wert 97 %. Die Relevanz der KI wird auch in der Erarbeitung einer Strategie zu deren Einsatz sichtbar: Hatten 2024 erst knapp ein Drittel der Unternehmen (31 %) eine KI-Strategie aufgesetzt, waren es ein Jahr später bereits mehr als zwei Drittel (69 %) und 2026 fast alle (98 %). Trotz der anerkannt hohen Bedeutung von KI und KI-Strategien wird aber in nur 39 % der Firmen KI aktiv durch das Top-Management gesteuert. KI ist also strategisch verankert, die Transformation in das operative Geschäft wird von der Führungsebene aber überwiegend nicht systematisch unterstützt.
Dabei hat KI schneller an Bedeutung gewonnen als gedacht. 2025 waren knapp die Hälfte (48 %) der Führungskräfte der Meinung, KI hätte großen Einfluss auf ihre Branche – und drei Viertel (75 %) erwarteten diesen in den nächsten drei Jahren. Nun, 2026, sehen fast vier Fünftel (79 %) diesen Effekt. Die Erwartung wurde also bereits nach einem Jahr übertroffen. Gut neun von 10 (91 %) rechnen für dem kommenden Drei-Jahres-Zeitraum mit einem großen oder sehr großen Einfluss auf ihre Branche.
Der Mehrwert von KI wird dabei jetzt schon spürbar, auch ohne fortgeschrittene Umsetzung. Der Erfolg wird dabei anhand der Kriterien Produktivitäts- und Effizienzzuwachs, Anteil an Umsatz und Wachstum sowie Beitrag zur Innovation gemessen. Rund zwei Drittel der Unternehmen (65 %) sehen ihre Erwartungen an die positiven Effekte von KI bestätigt. Allerdings ist KI in nahezu keinem Unternehmen (< 1%) in operativen Kernprozessen, Marketing und Vertrieb oder auch nur als Unterstützung fest etabliert und systematisch eingebunden.
Eine Voraussetzung für die Generierung von Mehrwert ist die fachkundige Handhabung der KI-Anwendungen. Im Vergleich zu 2025 ist der Anteil der Führungskräfte, die ihre Mitarbeiter als gut vorbereitet eingeschätzt haben, um knapp 20 Prozentpunkte gestiegen (von 66 % auf 84 %). Weniger als ein Drittel sehen die Beschäftigten als sehr gut vorbereitet an. Deshalb setzt mehr als die Hälfte der Vorgesetzten (51 %) auf Weiterbildungen in Form von unternehmensweiten Schulungen, um die wichtigste bisher unzureichend gelöste Aufgabe zu bewältigen: die bessere Integration von KI in bestehende Arbeitsprozesse.
Ein weiteres wichtiges Thema ist die Regelkonformität des Einsatzes von KI – beispielsweise die Erfüllung der Vorgaben, die sich aus dem EU AI Act, der KI-Verordnung, ergeben; Stichwort ist hier „Trusted AI". Vier von fünf Führungskräften (82 %) gaben an, dass regulatorische Hürden ihren Umgang mit KI (sehr) stark beeinflussen. Themen sind die Verbreitung von Fehlinformationen, Datenschutz, Sicherheitsanforderungen sowie die Gewährleistung von Compliance als rechtskonformer und regelbasierter Handlungsweise. Doch obwohl sich die Mehrheit der Entscheider der Verantwortung bewusst ist, steuert erst ein Drittel von ihnen (33 %) Trusted AI strategisch und unternehmensweit. Hier besteht also eine große Lücke zwischen Wahrnehmung und Umsetzung.
Fazit
KI ist in den meisten Unternehmen strategisch positioniert und im operativen Einsatz, erste Benefits werden sichtbar und können gemessen werden. Aber trotz des messbaren Erfolgs und der absehbaren Vorteile wird KI eher selten in Geschäftsmodelle integriert und systematisch in Prozesse und deren Steuerung einbezogen. So bleiben potenzielle Wettbewerbsvorteile in vielen Fällen (noch) ungenutzt.
Hier geht es zur KPMG-Studie: Generative KI in der deutschen Wirtschaft 2026
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