PwC-Studie: The Fearless Future – Global AI Jobs Barometer 2025
Künstliche Intelligenz (KI) prägt unsere Berufswelt immer stärker – oft mit großer, teils zunehmender Geschwindigkeit. Dadurch ändern sich einerseits in vielen Branchen die Anforderungen an die Qualifikation der Mitarbeiter, andererseits werden durch KI Berufsbilder stark verändert oder sogar vollkommen neu geschaffen. Das gilt auch für traditionelle Wirtschaftszweige wie die Landwirtschaft oder den Bausektor. Ein wesentlicher Indikator dafür sind die von Arbeitgebern nachgefragten Qualifikationen für Jobs mit KI-Bezug, die unter anderem in den Stellenanzeigen sichtbar werden.
In der jährlich erscheinenden Studie analysiert die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC die globalen Auswirkungen von künstlicher Intelligenz (KI) einerseits auf die Arbeitsnachfrage in unterschiedlichen Branchen sowie andererseits auf die geforderten Qualifikationen. Ableiten lassen sich aus der Untersuchung auch Änderungen und Trends im deutschen Arbeitsmarkt.
Studiendesign
Die diesjährige PwC-Studie basiert auf der Auswertung von fast einer Milliarde Stellenanzeigen in mehr als 80 Industrie- und Wirtschaftssektoren. Die Datenbasis stammt aus 25 Ländern und Regionen auf sechs Kontinenten. In Nord- und Südamerika wurden die USA, Kanada, Mexiko und Brasilien einbezogen. Europa ist mit Norwegen, Dänemark, Schweden, Irland, Großbritannien, Deutschland, Polen, der Schweiz, den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Spanien und Italien vertreten. Ostasien wird repräsentiert durch Japan, Hongkong, Singapur, Malaysia. Weitere Angaben stammen aus Neuseeland und Australien sowie den Vereinigten Arabischen Emiraten und Südafrika.
In der Erhebung wurden fast der gesamte afrikanische Kontinent sowie die bevölkerungsreichsten Länder der Erde, China und Indien, nicht erfasst. Diese beiden Staaten gehören zudem zu den weltweit Führenden bei der Entwicklung und Anwendung von Software und KI-Systemen. Ersichtlich wird ebenfalls nicht, aus welchen Quellen die Stellenanzeigen stammen – ob aus Zeitungs- und Zeitschriftenannoncen, aus Online-Jobportalen oder von privaten oder öffentlichen Arbeitsvermittlungsagenturen.
Generelle Feststellungen
Unternehmen setzen KI meist nicht ein, um Arbeitskräfte zu sparen, sondern um ihre Mitarbeiter wertvoller und produktiver zu machen. Dabei ändern sich aber auch die Anforderungen an die Qualifikation der Arbeitnehmer umso schneller, je häufiger in diesem Berufsfeld KI eingesetzt wird. Gleichzeitig sinken die formalen Anforderungen an die Qualifikation, wie Ausbildungs- oder Hochschulabschlüsse – und dies umso stärker, je mehr in einem Berufsfeld KI verwendet wird.
Unternehmen wird geraten, eine umfassende KI-Strategie zu entwickeln, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Dabei sollten KI-Anwendungen nicht nur als Mittel zur Steigerung der Effizienz angesehen werden, sondern als Treiber für Innovation und Wachstum. KI-Systeme zeigen ihr ganzes Potenzial erst, wenn sie zur Transformation der gesamten Wertschöpfungskette verwendet werden und neue Geschäftsmodelle ermöglichen. So lassen sich Wettbewerbsvorteile schaffen und neue Märkte erschließen.
Zentrale Aussagen
Zu den wichtigsten Ergebnissen des KI-Job-Barometers 2025 von PwC gehören folgende Erkenntnisse:
- KI treibt den Qualifikationswandel auf dem Arbeitsmarkt voran.
- Praktische Fähigkeiten ersetzen zunehmend formale Abschlüsse.
- KI macht Arbeitnehmer wertvoller.
- KI-Kenntnisse werden auch in traditionellen Branchen immer wichtiger.
KI als Treiber des Qualifikationswandels
Ein produktiver Einsatz von KI ist nur möglich, wenn die Mitarbeiter, die die KI-Anwendungen nutzen, auch über entsprechende Fähig- und Fertigkeiten verfügen. Die Anforderungen an die Qualifikation der Arbeitnehmer verändern sich also. In den Berufen, in denen KI am häufigsten eingesetzt wird, geschieht dies laut Studie um 66 % schneller als in denjenigen, in denen KI am wenigsten genutzt wird. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich damit der Wandel um mehr als das 2,5-Fache beschleunigt. In Deutschland ist dieser Trend mit 36 % nicht ganz so stark ausgeprägt.
Die Bedeutung der KI-Kompetenz auf Arbeitnehmerseite zeigt sich auch in den Stellenausschreibungen: Im Vergleich zu 2019 hat die Anzahl der Annoncen mit KI-Bezug um 62 % zugenommen.
Praktische Fähigkeiten statt formaler Abschlüsse
Die formalen Anforderungen an die Qualifikation sinken umso stärker, je mehr in einem Berufsfeld KI verwendet wird. In Deutschland ist die Forderung nach einem Hochschulabschluss bei Berufen mit hohem KI-Bezug von 2019 bis 2024 von 47 % auf 41 % zurückgegangen, bei solchen mit geringerem KI-Bezug von 25 % auf 9 %. Stellen mit großem Anteil an KI-Anwendungen erfordern also tendenziell seltener einen Berufs- oder Studienabschluss, aber immer noch rund viermal häufiger als solche mit geringem KI-Einsatz. Formale Einstellungskriterien werden offenbar zunehmend durch praktische KI-Fähigkeiten der Arbeitnehmer ersetzt.
Daraus lassen sich zwei Schlüsse ziehen: Arbeitnehmer sollten sich im Bereich KI qualifizieren, um ihre Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen, und Arbeitgeber sollten in Schulungen der Beschäftigten investieren, um KI in vollem Umfang für Effizienzgewinne nutzen zu können.
Wertvollere Arbeitnehmer durch KI
Durch KI werden Arbeitnehmer produktiver, schaffen effizienter Werte für das Unternehmen und können damit höhere Gehälter erzielen.
Laut PwC-Studie ist weltweit die Produktivität bei Firmen, die generative KI (Generative Artificial Intelligence, GenAI) nutzen, gestiegen. In den Branchen, in denen am häufigsten KI-Anwendungen eingesetzt werden (wie Finanzdienstleistungen oder Software-Publishing), hat sich das Produktivitätswachstum von 7 % im Jahr 2022 auf 27 % im Jahr 2024 fast vervierfacht. In Branchen mit geringem KI-Einsatz (wie Bergbau oder Gastgewerbe) ist es dagegen von 10 % auf 9 % leicht zurückgegangen. Die Auswertung von Daten aus dem Jahr 2024 ergibt, dass die Branchen mit der höchsten KI-Nutzungsrate ein dreimal höheres Umsatzwachstum pro Mitarbeiter aufweisen als die mit der geringsten Nutzungsrate.
Arbeitnehmer mit KI-Kompetenzen haben dabei weltweit ihre Entgeltsteigerungen im Vergleich zum Vorjahr von 25 % auf 56 % mehr als verdoppeln können.
Arbeitsplätze durch KI-Transformation
Die PwC-Studie analysiert das KI-getriebene Jobwachstum weltweit und differenziert dabei auch nach Branchen. Generell gilt: Unternehmen nutzen KI-Anwendungen insbesondere dazu, damit die Beschäftigten mit der Technologie Mehrwert schaffen – und nicht, um die Anzahl der Arbeitsplätze zu reduzieren.
In Deutschland ergab die Auswertung der Stellenanzeigen, dass die insgesamt meisten Positionen im verarbeitenden Gewerbe ausgeschrieben werden (knapp jede fünfte Stelle), gefolgt von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Tätigkeiten (gut jede zehnte Stelle).
Stellen mit KI-Bezug werden am häufigsten im Bereich IKT, also in der Informations- und Kommunikationstechnologie, ausgeschrieben (gut 7 % der Inserate). Den zweiten Rang belegen freiberufliche, wissenschaftliche und technische Tätigkeiten (knapp 3%). Zu erkennen ist sektorübergreifend eine Zunahme von Annoncen, in denen explizit KI-Kenntnisse verlangt werden. Daran lässt sich die wachsende Verbreitung und Bedeutung von KI in der Arbeitswelt ablesen.
Die größte Zunahme an Inseraten für Positionen mit KI-Bezug gibt es in der Landwirtschaft. Von 2019 bis 2024 beträgt die Steigerung mehr als 200 % bei KI-unterstützten („AI Augmented“) und über 100 % bei reinen KI-Jobs („Automated“). Beide Werte liegen weit über dem Branchen-Durchschnitt in Deutschland (KI-unterstützt: 58 %; automatisiert: 26 %). Ebenfalls über dem Durchschnitt bei den Zuwachsraten liegen die Sektoren Freizeit und Kultur, Bergbau sowie Bildung – vermutlich, weil hier wie in der Landwirtschaft die Verbreitung der KI-Anwendungen noch recht gering war und nun aufgeholt wird. Sichtbar wird hier die zunehmende Integration der KI-Systeme in Kreativwirtschaft, Rohstoffgewinnung und digitalem Lernen.
Handlungsempfehlungen für Unternehmen
Organisationen, die KI-Anwendungen als Chance für effizienteres Arbeiten, Innovation und Wachstum begreifen, sollten GenAI jetzt gezielt in ihren Geschäftsprozessen etablieren. Aus der Studie lassen sich fünf Schlüsselmaßnahmen als Handlungsempfehlungen für Unternehmen ableiten:
- KI sollte unternehmensweit für die Transformation genutzt werden.
- KI ist nicht nur als Strategie zur Effizienzsteigerung, sondern insbesondere als Wachstumsstrategie zu betrachten.
- Agentenbasierte KI-Anwendungen haben höchste Priorität.
- Mitarbeiter müssen geschult werden, um mit den neu erworbenen Fähigkeiten das volle Potenzial der KI ausschöpfen zu können.
- Stärken Sie das Vertrauen der Führungskräfte und der Mitarbeiter in die Potenziale der KI, um die Transformation ganzheitlich umsetzen zu können.
Hier geht es zur englischsprachigen Studie: The Fearless Future – Global AI Jobs Barometer 2025
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Torsten Klanitz
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