Studie des McKinsey Global Institute: The race takes off in the next big arenas of competition
Das McKinsey Global Institute (MGI) hat seit 2022 bereits 18 Felder identifiziert, in denen zukünftig Wirtschaftsunternehmen als Wettbewerber zunehmend das globale Wachstum prägen werden. Dies macht der Titel der Studie bereits deutlich: Das Rennen startet in den nächsten großen Wettbewerbsarenen. Als Arenen werden dabei die dynamischsten Branchen mit dem schnellsten Wachstum betrachtet. Die Spanne reicht von KI-Software und -Dienstleistungen sowie Cybersicherheit und Robotik über gemeinsam genutzte autonome Fahrzeuge, Energie- und Weltraumtechnik bis hin zur Biotechnologie und zum modularen Bauen. Konzerne, die in diesen Wirtschaftsbereichen angesiedelt sind, gewinnen damit an Größe und Einfluss auf die Gesamtwirtschaft – und die Gesellschaft. Denn in diesen Arenen beschleunigen sich Investitionszyklen, Wertströme verlagern sich und eine neue Art von Wettbewerber wächst branchenübergreifend, wird dann im Untertitel festgestellt.
Unternehmen in den als Zukunftstreiber identifizierten 18 Branchen haben dabei deutlich rasanter an Bedeutung gewonnen als die in anderen Wirtschaftsbereichen. In den letzten drei Jahren war das Wachstum von Börsenwert und Umsatz bei diesen Firmen etwa um den Faktor vier bzw. zehn größer als das in anderen Segmenten.
Aufgrund des KI-Booms ist die Nachfrage nach einer entsprechenden Infrastruktur rasant gestiegen – und ein Ende ist noch nicht absehbar. Seit 2022 haben Unternehmen, die Hard- und/oder Software-Komponenten oder Infrastruktur anbieten - wie Halbleiter, KI-Software und Cloud-Dienste –, zusammengenommen ihren Umsatz um 500 Mrd. und ihre Marktkapitalisierung um 11 Billionen – 11.000 Mrd.! – Dollar gesteigert. Den Großteil des Wert- und Gewinnzuwachses haben Unternehmen erzielt, die großflächig Rechenleistung entwerfen und bereitstellen. Gleichzeitig wächst die Bedeutung digitaler Branchen wie E-Commerce und Online-Werbung, besonders in Schwellenländern. Chatbots sorgen dafür, dass der offene Verkehr im Web abnimmt, während Handelsmodelle, die sich auf KI-Agenten stützen, neue Wettbewerbsfelder eröffnen. Weitere Bereiche, gerade in „physischen“ Sektoren, wachsen unterschiedlich schnell oder stehen kurz vor dem Durchbruch. Hier spannt sich der Bogen von autonomen Fahrzeugen bis zu Adipositas-Medikamenten.
Neun große Wettbewerber sind in mehreren der Arenen aktiv und investieren massiv. Diese sogenannten „Omniscaler“ stärken ihre Position in immer mehr Arenen und erzielen dabei Umsätze in bis zu neun verschiedenen Wirtschaftsbereichen. Im Jahr 2025 haben sie mehr als 700 Mrd. Dollar operativen Cashflow erwirtschaftet und über 800 Mrd. Dollar in Forschung, Entwicklung und Sachanlagen investiert. Unternehmen mit Hauptsitz in den USA und in Ostasien – China, Japan, Südkorea – sind dabei am stärksten vertreten und stellen 90 Prozent des Marktwerts der Arenen. Noch führen US-Firmen in 14 von 18 der Felder beim Börsenwert und in 10 beim Umsatz, doch gerade China holt insbesondere in Bezug auf den Umsatzanteil immer weiter auf. Unternehmen aus andere Weltregionen spielen dagegen – noch? – keine große Rolle.
Studiendesign
Grundlage für den aktuellen Bericht 2026 war der Längsschnittdatensatz von 2024 bis 2025. In die Studien von 2024 und 2025 wurden Unternehmen einbezogen, die bei der Marktkapitalisierung Schwellenwerte von 3,5 Mrd. US-Dollar im Jahr 2005 oder 5 Mrd. US-Dollar im Jahr 2020 überschritten. Dies sollte gewährleisten, dass nur Unternehmen berücksichtigt werden, die mit ihrer Größe Wachstum, Investitionsintensität und Wettbewerbsdynamik auf Branchenebene beeinflussen. Einbezogen wurden 3.770 börsennotierte und große Privatunternehmen aus 70 Ländern und 69 Branchen. Der Gesamtumsatz der betrachteten Firmen betrug 2025 rund 55 Billionen US-Dollar.
Für den aktuellen Bericht 2026 wurde der Datensatz von 2024 bis 2025 aktualisiert und ergänzt. So wurden einerseits die weltweit größten Unternehmen (etwa 4.000) im Jahr 2025 einbezogen, gemessen an der Marktkapitalisierung. Andererseits wurden auch kleinere Unternehmen berücksichtigt, die in mindestens einem der 18 Zukunftsbereiche federführend sind oder entsprechendes Potenzial aufweisen. Dazu zählen insbesondere Branchen wie KI-Software und KI-Dienstleistungen sowie Luftmobilität, da in diesen Bereichen Innovationen in der Frühphase sowie Skalierungsdynamiken entscheidend für die spätere Entwicklung und Bedeutung sind. Dieser Ansatz bewahrt die Konsistenz der Langzeitstudie und ermöglicht gleichzeitig die Einbeziehung von Aktivitäten in aufstrebenden Bereichen.
Wichtig ist hier zudem die Identifizierung von „Omniscalern“, also Unternehmen, die gleich in mehreren Zukunftsbereichen als Wettbewerber auftreten und hohe Summen investieren. Zwei Kriterien waren für diese Einordnung ausschlaggebend: eine Stellung unter den weltweiten Top 30 im Ranking in Bezug auf die Summe der Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) sowie öffentlich ausgewiesene Umsätze in mindestens drei Zukunftsbereichen. Im Jahr 2025 erfüllten sieben Unternehmen diese Kriterien: Alibaba, Alphabet, Apple, Huawei, Meta, Microsoft und Samsung. Dazu kommen zwei „Ökosystem-Cluster“ – das Tesla-SpaceX-xAI-Konglomerat sowie Amazon –, bei denen Kapital, Führung und strategische Ausrichtung über eine gemeinsame Führung oder Kontrolle eng aufeinander abgestimmt sind.
Zentrale Ergebnisse der Studie
Identifiziert wurden anhand des Wachstums und der Wettbewerbsdynamik 18 Wettbewerbsarenen. Das mit Abstand stärkste jährliche Wachstum bei Umsatz (Ist-Wert 2025) und Marktkapitalisierung (in den Jahren 2022 bis 2025) zeigt der Zukunftsmarkt KI-Software und KI-Dienstleistungen (55 % bzw. 142 %). An zweiter Stelle steht mit deutlichem Abstand der Bereich geteilte autonome Fahrzeuge (34 % bzw. 69 %). Halbleiter, Cloud-Dienste, (zukünftige) Luftmobilität sowie Weltraumtechnik und Medikamente gegen Adipositas belegen die nächsten Plätze mit einem jährlichen Wachstum bei der Marktkapitalisierung zwischen mehr als 30 Prozent und gut 40 Prozent – bei jährlichen Umsatzwachstumsraten zwischen 8 und 18 Prozent – mit Ausnahme der Adipositas-Medikamente, die mit 38 Prozent jährlichem Umsatzwachstum den zweiten Platz unter den 18 Geschäftsfeldern erreichen. Weitere Arenen, mit einem jährlichen Wachstum der Marktkapitalisierung bei etwa 20 bis 25 Prozent, sind digitale Werbung (24 %), Streaming-Videos (21 %), Cybersecurity (20 %), Robotik (20 %) und Elektrofahrzeuge (19%). Die Spanne beim jährliche Umsatzwachstum liegt zwischen 18 Prozent bei Elektrofahrzeugen und 5 Prozent bei der Robotik. Vergleichsweise geringe Wachstumsraten bei der Marktkapitalisierung weisen die Arenen E-Commerce (12 %), Videospiele (10 %), Batterien (9 %), Kernspaltung (8 %) und nicht-medizinische Biotechnologie (5 %) auf; beim modularen Bauen gibt es keinen Zuwachs. Die jährlichen Umsatzwachstumsraten liegen bei 0 bis 3 Prozent – mit Ausnahme des E-Commerce, der 8 Prozent erreicht.
Die 18 Arenen wurden in fünf Themenkomplexen zusammengefasst: KI-Grundlagen, Digitalisierung, Elektrifizierung, Technik und Lebenswissenschaften.
- Den bei Weitem größten Zuwachs bei der Marktkapitalisierung verzeichneten mit fast 11 Billionen Dollar die KI-Grundlagen, zu denen Halbleiter, Cloud-Dienste sowie KI-Software und -Dienstleistungen gezählt wurden. Stärkster Treiber war hier – und insgesamt – die Halbleiterindustrie mit einer Marktkapitalisierung von knapp 7,4 Billionen Dollar, während Cloud-Dienste mit gut 1,8 Billionen und KI-Software und -Dienstleistungen mit mehr als 1,5 Billionen Dollar zu Buche schlugen. Das Umsatzwachstum lag bei 490 Mrd. Dollar
- Bei der Digitalisierung wurden digitale Werbung, E-Commerce, Streaming-Videos, Cybersecurity und Videospiele zusammen betrachtet. Den größten Anteil an der Marktkapitalisierung von 4,9 Billionen Dollar hatte mit Abstand die digitale Werbung mit knapp 3,1 Billionen Dollar, vor dem E-Commerce (773 Mrd. Dollar). Streaming-Videos (407 Mrd. Dollar), Cybersecurity (363 Mrd. Dollar) und Videospiele (284 Mrd. Dollar) folgten auf den Plätzen drei bis fünf. Das Umsatzwachstum war mit 680 Mrd. Dollar noch größer als das bei den KI-Grundlagen.
- Die Elektrifizierung, bei der das Umsatzwachstum 190 Mrd. Dollar betrug, unterschritt mit 930 Mrd. Dollar bei der Marktkapitalisierung die Billionen-Grenze. Treiber waren hier die Elektrofahrzeuge (knapp 790 Mrd. Dollar), während Batterien (gut 100 Mrd. Dollar) und die Kernspaltung (knapp 40 Mrd. Dollar) eine untergeordnete Rolle spielten.
- Den Lebenswissenschaften wurden die Themenfelder Adipositas-Medikamente und nicht-medizinische Biotechnologie zugeordnet. Mit 614 Mrd. Dollar hatten die Medizin den größten Anteil an der Marktkapitalisierung von 630 Mrd. Dollar; das Umsatzwachstum betrug 50 Mrd. Dollar.
- Der Bereich Technik war der mit der geringsten Marktkapitalisierung (560 Mrd. Dollar) und dem niedrigsten Umsatzzuwachs (30 Mrd. Dollar), bei gleichzeitig hoher Differenzierung. Vorreiter war hier die Weltraumtechnik mit knapp 400 Mrd. Dollar Marktkapitalisierung, gefolgt von der Robotik (gut 100 Mrd. Dollar). Platz drei erreichten die gemeinsam genutzten autonomen Fahrzeuge (etwas mehr als 50 Mrd. Dollar), Platz vier die Luftmobilität (15 Mrd. Dollar). Das modulare Bauen (300 Mio. Dollar) hatte dagegen nur marginale Bedeutung.
Die 18 Arenen wachsen seit 2022 zusammen deutlich schneller als die Gesamtwirtschaft. In den letzten drei Jahren haben sie zu einer Erhöhung der Marktkapitalisierung um 18 Billionen Dollar sowie zu einem Umsatzzuwachs von 1,4 Billionen Dollar geführt; die Wachstumsrate lag hier zwischen 2022 und 2025 bei fast 30 Prozent. Der jährliche Umsatzzuwachs betrug in den Arenen über 10 Prozent, während er in anderen Wirtschaftsbereichen mehr oder weniger stagnierte. Auch Investitionen und Ausgaben für F&E übertrafen mit einer Steigerung von 14 Prozent die durchschnittlichen 4 Prozent der Gesamtwirtschaft deutlich. KI wirkt dabei in allen Bereichen oft als Beschleuniger und Trendsetter. Positive Effekte sind dabei die Steigerung der Effizienz und Leistungsfähigkeit, Kosteneinsparungen und technologische Neuerungen.
Die neun Omniscaler spielen in den Zukunftsarenen eine wichtige Rolle. Sie erzielten bis 2025 jährlich durchschnittlich rund 200 Mrd. Dollar Umsatz – rund das Zwanzigfache der mit ihnen im Wettbewerb stehenden Unternehmen, die im Durchschnitt auf rund 10 Mrd. Dollar kamen. Damit übertrafen die Omniscaler über alle Geschäftsbereiche kumuliert mit 2,7 Billionen Dollar Umsatz das Bruttoinlandsprodukt Italiens, der weltweit achtgrößten Volkswirtschaft. Eine der Ursachen des Erfolgs der Omniscaler liegt in der Bündelung der Ressourcen und Kompetenzen in den verschiedenen Geschäftsfeldern und der raschen Verbreitung und Nutzung neuer Technologien im Gesamtkonzern.
Fazit
Das rasante Wachstum in den 18 Bereichen – es trägt zu rund 50 Prozent des gesamten Wirtschaftswachstums weltweit bei – wirkt sich auf die Kapitalströme, die Dynamik der Industrie, und den Wettbewerb aus. Unternehmen ebenso wie Regierungen sind gefordert, ihre strategischen Überlegungen auf die sich schnell ändernde technologische Landschaft auszurichten, um den Anschluss nicht zu verlieren.
Ihr Ansprechpartner

Torsten Klanitz
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