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Rüsten


Rüsten

Definition

Unter Rüsten wird die Umstellung von Geräten und Anlagen auf neue Arbeitsaufgaben verstanden. Anlässe sind beispielsweise weitere Bearbeitungsschritte an demselben Werkstück, Produktwechsel, neue Kundenaufträge oder individuelle Anforderungen vonseiten des Abnehmers.

Rüsten ist in der Technik und in den Arbeitswissenschaften definiert als „Tätigkeit, ein Betriebsmittel (Maschine, Anlage usw.) für einen bestimmten Arbeitsvorgang einzurichten sowie das Betriebsmittel wieder in den ungerüsteten Zustand zurückzuversetzen“ (REFA, 1984: Methodenlehre des Arbeitsstudiums. Teil 1: Grundlagen. 7. Aufl., Carl Hanser Verlag).

Weiter unterschieden wird dabei zwischen dem internen und dem externen Rüsten:

  • Das interne Rüsten umfasst die Vorgänge, die nur bei Stillstand der Maschine ausgeführt werden können.
  • Das externe Rüsten umfasst die Vorgänge, die auch bei laufender Maschine durchgeführt werden können.

Ablauf

Üblicherweise wird das Rüsten in fünf Schritte untergliedert:

  1. Vorbereiten. Die Vorbereitung des Rüstens besteht aus zwei Handlungssträngen:
  • Zunächst wird das vorangegangene Los beendet und die Maschine wird heruntergefahren. Die gefertigten oder bearbeiteten Werkstücke werden abtransportiert, der alte Auftrag wird abgemeldet.
  • Dann wird das Folgelos aufgenommen. Der neue Auftrag wird angemeldet und alle benötigten Arbeitsmittel (Materialien, Teile, Werkzeuge und Informationen) werden bereitgestellt.
  1. Entfernen. Die zuvor benötigten Werkzeuge und Vorrichtungen werden demontiert.
  2. Montieren. Die für die Bearbeitung des Folgeloses benötigten Werkzeuge und Vorrichtungen werden montiert.
  3. Justieren. Die Werkzeuge und Vorrichtungen werden justiert und kalibriert, die Prozessparameter (Geschwindigkeit, Arbeitsdruck etc.) eingestellt. Bei computergesteuerten Maschinen werden die Abläufe programmiert.
  4. Testen und Anpassen. Die Maschine wird angefahren. Das Anlaufen der Produktion oder der Bearbeitung von Werkstücken wird anhand einiger Probestücke geprüft. Als Maßnahmen der Qualitätssicherung werden die gefertigten Produkte vermessen und beurteilt. Falls nötig, werden die Prozessparameter korrigiert. Dann folgt nochmals ein Test.

Bestimmende Faktoren

Rüstvorgänge können zeitintensiv und komplex sein und je nach Kundenanforderungen und Fertigungsbedingungen auch sehr unterschiedlich häufig auftreten. Die Anzahl und die Dauer der Rüstvorgänge hängen unter anderem von folgenden Faktoren ab:

  • vom Gerät, also von der Maschine oder Anlage, die umgerüstet werden soll. Ausstattungen wie Schnellspanneinrichtungen oder Werkzeugmagazine können das Rüsten vereinfachen und beschleunigen.
  • vom Werkstück oder Produkt, das zu fertigen oder zu bearbeiten ist. Materialien, Maße und Gewichte sowie die Komplexität der Teile beeinflussen die Auswahl der Werkzeuge und damit die Umrüstvorgänge.
  • von der Auftragslage. Bei einer Massenproduktion oder Serienfertigung sind weniger Rüstvorgänge einzuplanen als bei einer Werkstattfertigung oder bei der Losgröße 1.
  • von der Reihenfolge der Aufträge. Je nach Auftragseingang oder Dringlichkeit sind die Geräte und Anlagen umzurüsten.
  • von der Vorbereitung des Rüstprozesses und den nötigen Arbeitsschritten. Hier kann eine Vorgehensweise wie die SMED-Methode (Single Minute Exchange of Die) zu erheblicher Zeitersparnis führen.

Betriebswirtschaftliche Einordung

Das Rüsten ist ein für die Produktion oder Fertigung notwendiger Vorgang. Er trägt aber als unterstützender Ablauf nur indirekt zur Wertschöpfung bei. Daher sollten die Rüstzeiten als Dauer der Rüstvorgänge möglichst kurz gehalten werden.

Aus der Perspektive der Lean Production handelt es sich beim Rüsten um eine Verschwendung von Ressourcen, die möglichst minimiert werden sollte. Denn während des Rüstens können die Produktionsfaktoren Kapital (die Betriebs- und Arbeitsmittel ebenso wie die Sachgüter) und Arbeit (das Personal) nicht zur Erzeugung eines Mehrwerts eingesetzt werden.

Die Anzahl und die Zeitdauer der Rüstvorgänge ist daher aus betriebswirtschaftlicher Sicht auf die minimale Anzahl und Länge zu reduzieren, um die Gesamtanlageneffektivität (GAE), auch Overall Equipment Effectiveness (OEE) genannt, und damit die Effizienz in der Wertschöpfungskette zu steigern. Hier greifen die Maßnahmen der Rüstzeitoptimierung.

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