Scrum Master

Was ist ein Scrum Master?
Ein Scrum Master ist ein Manager, der prozessorientierte, sogenannte „agile“ Projekte organisiert. Deren Kennzeichen ist der empirisch, also durch sich ändernde Umstände beeinflusste, inkrementell-iterative Entwicklungsprozess, bei dem in kleinen, auch repetitiven Schritten eine Annäherung an das gewünschte Ergebnis erfolgt. Diese Vorgehensweise ist insbesondere in der Informatik verbreitet, wird aber auch ganz allgemein in der Produktentwicklung oder im Qualitätsmanagement umgesetzt. Das Ziel ist, komplexe Produkte, deren Konkretisierung oder Verbesserung im Voraus nicht im Detail planbar oder die sogar erst als Vision formuliert sind, schnell und kostengünstig zu entwickeln bzw. zu optimieren.
Eingesetzt wird der Scrum Master bei Vorhaben, bei denen die Anforderungen beim Projektstart noch nicht eindeutig definiert sind bzw. bewusst offengelassen werden. Abgeleitet wird die Bezeichnung „Scrum Master“ von „Scrum“ als Kurzform von „Scrummage“. Dies bezeichnet das Gedränge nach dem Anstoß beim Football- oder Rugby-Spiel. Als „agiler Coach“ ist er damit die Leitfigur, die bei unklaren Verhältnissen und in unübersichtlichen Situationen Herr der Lage bleibt und dem Projektteam Orientierung bietet. Er setzt sich dafür ein, dass auf unvorhergesehene Ereignisse und neue Randbedingungen flexibel reagiert wird. Sein Ziel ist, vereinbarte Meilensteine zu erreichen und Entwicklungsprojekte in Zusammenarbeit mit den Auftraggebern oder Kunden erfolgreich abzuschließen, auch wenn sich zwischendurch die Ansprüche an das Ergebnis gewandelt haben.
Welche Aufgaben hat ein Scrum Master?
Der Scrum Master hat die Aufgabe, Organisationen dabei zu unterstützen, eine agile Projektarbeit einzuführen und umzusetzen. Dazu schult er die verantwortlichen Führungskräfte sowie die involvierten Mitarbeiter im Projektteam, um sie mit dem Scrum Framework als Grundlage des flexiblen Projektmanagements, aber auch mit dem konkreten Vorgehen, also der Anwendung der Scrum-Methoden, vertraut zu machen. Im Rahmen der agilen Projektarbeit sorgt der Scrum Master für eine flexible, an den Bedürfnissen und Anforderungen der Process Owner orientierte Prozessorganisation. Als Process Owner gelten dabei die internen Initiatoren oder externen Auftraggeber. Er entwickelt das Projektteam, damit es sich selbst organisieren sowie motivieren und damit eigenverantwortlich und effektiv agieren kann. Zudem fokussiert der Scrum Master die Teammitglieder immer wieder auf das abzuliefernde Ergebnis, um vorhandenen Potenzialen Raum zu geben und Visionen in Projektresultate zu transformieren. Der agile Coach wird so zum Vermittler zwischen den Teammitgliedern selbst sowie dem Projektteam und dem Project Owner, der selbst als Auftraggeber intensiv in den Prozess eingebunden wird.
Agile Coaches bzw. Scrum Master begleiten das Projektteam bei der Planung und Erreichung von sogenannten „Sprintzielen“. Dies sind klar definierte, begrenzte Teilziele auf dem Weg zu den Meilensteinen, die in kurzer Zeit – in einem Sprint – erreicht werden können. Zielabweichungen werden in täglichen, kurzen Teambesprechungen, den vom Scrum Master geleiteten „Dailys“, zeitnah transparent gemacht, damit sie korrigiert werden können. Werden Ziele erreicht, reflektiert der Scrum Master gemeinsam mit den Mitgliedern des Projektteams rückblickend den Weg dorthin und die aufgetretenen Herausforderungen. Damit erreicht der agile Coach bei Einhaltung der Strukturvorgaben bzw. der Regeln des agilen Rahmenwerks eine flexible Prozessorganisation und effektives Arbeiten und vermindert den bürokratischen Aufwand.
Die Coaching-Aufgaben eines Scrum Masters bestehen damit unter anderem darin:
- Unterstützung von Organisationen, Entwicklungsteams und Projektgruppen bei der Einführung und Umsetzung agiler Methoden im Projektmanagement;
- Planung und Durchführung von Schulungen zu agilen Methoden;
- Vermittlung und Berücksichtigung des Scrum Frameworks als Rahmen von Vorgaben, Regeln und Handlungsanweisungen;
- Förderung des eigenverantwortlichen und selbstbestimmten Handelns der Mitglieder des Projektteams;
- Moderation und Vermittlung im Team und zwischen Projektbeteiligten bei Uneinigkeiten in Fragen der Vorgehensweise und Ziele;
- Unterstützung des Projektteams bei der Sprintplanung;
- Organisation und Durchführung von Dailys als täglichen kurzen Besprechungen;
- Reflexion der Vorgehensweisen und der Zielerreichung gemeinsam im Team;
- zeitnahe Aufdeckung der Abweichung von Sprintzielen und Einleitung der Korrektur;
- Thematisierung wiederkehrender Herausforderungen (Pain Points) und Entwicklung von Problemlösungsansätzen im Team;
- Etablierung eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses (KVP);
- regelmäßiges und situatives Reporting an den Process Owner und die Entscheider;
- Erhebung und Analyse der Ergebnisse des agilen Projektmanagements;
- Verhandlungsführung mit Auftraggebern bzw. Kunden.
Welche Kompetenzen braucht ein Scrum Master?
Der Scrum Master braucht die Kompetenzen eines Projektmanagers. Auch wenn er selbst nicht die Projektleitung übernimmt, ist er doch als Coach und Moderator tätig, als Vermittler zwischen den Beteiligten sowie Mentor und Unterstützer von Personen und Ideen. Er benötigt also die Fähigkeit, aktiv zuhören und wertschätzend kommunizieren sowie auf Augenhöhe verhandeln zu können, sowohl mit Entscheidern wie Auftraggeber oder Product Owner als auch den unterschiedlich qualifizierten Mitgliedern des Projektteams. Zudem muss er wissen, wie er die Mitglieder des Projektteams für das selbstständige Arbeiten begeistern und die eigenverantwortliche Übernahme von Entwicklungsaufgaben motivieren kann. Des Weiteren hat er als „agiler Coach“ dafür zu sorgen, dass flexibel auf unvorhergesehene Ereignisse reagiert wird und Herausforderungen effektiv bewältigt werden, um den Projekterfolg zu sichern. Als Vermittler sollte er darüber hinaus die erreichten Teilziele und Meilensteine ebenso wie das Projektergebnis angemessen präsentieren und erläutern können.
Um all dies zu leisten, sollte der Scrum Master einerseits ein grundlegendes fachliches Verständnis für die komplexen Anforderungen besitzen, die das zu entwickelnde Produkt oder der zu optimierende Prozess erfüllen soll. Oft ist hier der Scrum Master als Informatiker oder Ingenieur gefragt, beispielsweise bei der Einrichtung einer individuellen Netzwerkarchitektur zur Maschinensteuerung oder beim Aufsetzen einer komplexen IKT-Lösung, also im Bereich Informations- und Kommunikationstechnik. Je nach Branche und Auftrag kann es sich aber auch um die Entwicklung eines komplexen Produkts – eines Fahrzeugs oder einer elektrotechnischen Anlage – oder um eine Prozessoptimierung handeln. In Wirtschaftszweigen wie der Luft- und Raumfahrttechnik oder der Chemie-, Pharma- oder Lebensmittelindustrie kann der Scrum Master seine Fähigkeiten als „agiler Coach“ im Qualitätsmanagement unter Beweis stellen.
Andererseits sollte der Scrum Master über fundierte Kenntnisse des Scrum Frameworks und der Scrum-Methodik verfügen. Er muss wissen, wie er die Mitglieder des Projektteams mit Sprints und Dailys an das Erreichen von Teilzielen und Meilensteinen heranführen und so letztlich den Projekterfolg sichern kann. Mit der gemeinsamen Reflexion der durchgeführten Arbeiten und der bislang erzielten Erfolge sollte er als agiler Coach die Bedeutung des selbstständigen und eigenverantwortlichen Wirkens sowie der damit verbundenen Flexibilisierung verdeutlichen. Aber er hat auch mögliche Abweichungen vom gewünschten Ergebnis offenzulegen, zu kommunizieren und Korrekturen zu initiieren.
Als weitere Kompetenzen sollte der Scrum Master Organisationstalent, ein gutes Zeit- und Selbstmanagement, Flexibilität, aber auch Führungsfähigkeiten, Verhandlungsstärke und Durchsetzungsvermögen als Soft Skills aufweisen.
Ein Scrum Master sollte damit unter anderem diese Fähigkeiten aufweisen und Kompetenzen in diesen Bereichen abdecken:
- Organisationsberatung;
- Projektmanagement;
- technisches Verständnis;
- Qualitätsmanagement;
- Scrum Framework und -Methodik;
- Coaching, Mentoring, Moderation;
- Führungsfähigkeiten;
- Kommunikationsstärke und Motivationsvermögen;
- Verhandlungsgeschick, Durchsetzungsvermögen;
- Problemlösungsfähigkeit;
- Organisationstalent, Zeit- und Selbstmanagement;
- Präsentationstechniken;
- Flexibilität.
Wie wird man Scrum Master?
Scrum Master wird man in der Regel durch spezifische Weiterbildungen nach einem abgeschlossenen Studium, denn es handelt sich dabei nicht um einen anerkannten Ausbildungs- oder Studienabschluss, sondern um eine berufliche Einsatzmöglichkeit und Funktionsbeschreibung.
Da der Scrum Master häufig in der Informatikbranche eingesetzt wird, in der die agile Softwareentwicklung verbreitet ist, wird meist ein einschlägiges Studium im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) vorausgesetzt. Typische Studiengänge sind hier Informatik, Software Engineering oder Computer Sciences in den verschiedensten Ausprägungen und mit den unterschiedlichen Schwerpunkten; die Bundesagentur für Arbeit nennt in ihrem „Berufenet“ explizit IT-Management als Zugangsstudienfach. Aber auch als „Bachelor Professional in IT“ kann man die informationstechnischen Voraussetzungen für den Scrum Master erfüllen. Diese Weiterbildung setzt auf einem anerkannten Ausbildungs- bzw. Berufsabschluss in einem Bereich der IKT auf. Nach mindestens einjähriger einschlägiger Berufspraxis ist dazu eine 21- bis 31-monatige Weiterbildung in Teilzeit zu absolvieren. Nach bestandener Abschlussprüfung wird dann der Bachelor-Titel vergeben.
Da nicht nur in der Informatikbranche agile Methoden eingesetzt werden, sondern auch in nahezu allen anderen Wirtschaftszweigen, eröffnen zudem jeweils branchenspezifische Studiengänge den Zugang zur Position des Scrum Masters. Im Bereich der Produktentwicklung und der Prozessoptimierung wird oft technische Expertise gefordert. Gefragt sind hier in der Regel erfahrene Konstruktions- und Entwicklungsingenieure, aber auch Produktionsingenieure der Fachrichtungen Maschinen- und Anlagenbau, Fahrzeugtechnik, Elektrotechnik oder Elektronik. Bei der Optimierung von Prozessen sowie im Qualitätsmanagement werden sowohl Verfahrenstechniker als auch Naturwissenschaftler der jeweiligen Sparte eingesetzt. Hier handelt es sich oft um streng regulierte Herstellungsverfahren wie in der Lebensmittel-, der Chemie- oder der Pharmaindustrie, bei denen schnell und flexibel auf neue Bedingungen – von den verwendeten Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen bis hin zu Änderungen in der Gesetzeslage und der Rechtsprechung – reagiert werden muss.
Aber auch allgemeinere Studienfächer wie Projektmanagement, Projektingenieurwesen oder Wirtschaftsingenieurwesen bieten nach dem Abschluss – möglichst als Master – Zugang zum Einsatz als Scrum Master.
Nach dem Studienabschluss müssen spezielle Fortbildungen absolviert werden, um als Scrum Master zertifiziert zu werden. Zertifizierte Schulungen zum Scrum Master bietet die Organisation Scrum.org als „The Home of Scrum“ selbst an. Abschlüsse sind hier unter anderem der Professional Scrum Master™ (PSM) sowie, darauf aufbauend, der Professional Scrum Product Owner™ (PSPO). Beide Fortbildungen sind mehrstufig (PSM I – III bzw. PSPO I – III). Diese können auch bei vielen weiteren Anbietern, auch solchen im deutschsprachigen Raum, absolviert werden. Die Dauer beträgt in Vollzeit jeweils zwei Tage, berufsbegleitend in Teilzeit vier Abende. Beide Fortbildungen können auch kombiniert werden und finden dann zum Beispiel als fünftägige Seminare statt.
Wie viel verdient man als Scrum Master?
Was ein Scrum Master verdient, hängt von der Branche ab, in der er tätig ist, sowie von der Größe und dem Standort des Unternehmens. Maßgeblich sind aber insbesondere seine Qualifikation durch Aus- und Weiterbildung sowie seine Berufserfahrung. Wer als Informatiker, Ingenieur oder auch Naturwissenschaftler nach seinem Studium und seiner Zusatzqualifikation als agiler Projektmanager arbeitet, wird daher in der Regel nicht nach Tarif bezahlt, sondern erhält ein höheres Entgelt. Die Bundesagentur für Arbeit gibt daher auf den Seiten ihres „Berufenet“ gar keine beispielhafte monatliche Bruttogrundvergütungen an.
Der Entgeltatlas der Arbeitsagentur wird da auf Basis der ihr bekannten Zahlen in Deutschland konkreter. Als Medianwert – deutschlandweit und über alle Branchen und Altersgruppen sowie die Geschlechter hinweg – werden rund 6.340 Euro als Monatsbrutto genannt. 50 Prozent der monatlichen Bruttoentgelte – darauf beziehen sich alle folgenden Zahlen – liegen dabei zwischen ca. 4.890 Euro und mehr als 7.450 Euro. Der Medianwert steigt mit dem Alter bzw. der Erfahrung des Scrum Masters an: Im Alter unter 25 Jahren beträgt er knapp 4.000 Euro, in der Altersgruppe 25 bis 54 Jahre liegt er bei fast 6.200 Euro und bei Menschen über 55 Jahren bei ca. 7.050 Euro. Frauen verdienen dabei trotz gleicher Leistungen in jungen Jahren (< 25) rund 500 Euro, im mittleren Alter rund 1.150 Euro und im höheren Alter (55+) durchschnittlich rund 1.300 Euro weniger als ihre männlichen Kollegen. Es besteht also eine deutliche Gender-Gap.
Bei der Einkommensverteilung in Deutschland lässt sich auch beim Scrum Master ein bundeseinheitlicher Trend in Bezug auf die Flächenländer erkennen: Es besteht ein Gehaltsgefälle von Süd nach Nord und von West nach Ost. Das durchschnittliche Monatsbrutto eines Scrum Masters liegt in Baden-Württemberg bei gut 7.000 Euro, in Bayern bei knapp 6.800 Euro und in Hessen bei mehr als 6.550 Euro. In Nordrhein-Westfalen kann ein Scrum Master etwa 6.200 Euro brutto im Monat erwarten, in Rheinland-Pfalz und in Niedersachsen sind dies ca. 6.000 Euro. Schleswig-Holstein und das Saarland liegen mit einem Bruttoentgelt von rund 5.850 Euro fast gleichauf. Danach wird eine Lücke sichtbar: Der Durchschnittsverdienst eines Scrum Masters in Sachsen liegt mit einem Monatsbrutto von 5.300 Euro um rund 550 Euro hinter dem letztplatzierten westdeutschen Bundesland. In Brandenburg und Thüringen werden gut 5.200 Euro brutto im Monat bezahlt, in Sachsen-Anhalt 5.000 Euro und in Mecklenburg-Vorpommern knapp 4.940 Euro.
Weiterbildung für Scrum Master
Der Scrum Master muss sein Wissen und Know-how im eigenen Fachbereich – oft ist dies die schnelllebige IKT – aufrechterhalten und sich daher regelmäßig über den aktuellen Stand der Technik sowie die Ergebnisse aus Wissenschaft und Forschung informieren. Des Weiteren sollte er neue Entwicklungen im Management beobachten und seine Führungsfähigkeiten stärken und ausbauen.
Geeignet sind hier etwa Seminare und Anpassungsweiterbildungen zu Gesprächstechniken, Konfliktbewältigung oder Verhandlungsführung, aber auch Schulungen auf den Gebieten Teamarbeit, Mitarbeiterführung, Personaleinsatz und Arbeitsrecht. Als Projektmanager sollte er zudem seine Kompetenzen in den Bereichen Projektmanagement, IT-Management und agiles Management vervollkommnen und dabei auch die Rolle als Moderator, Mentor, Vermittler und Berater einbeziehen. Dazu sollte er auch seine Soft Skills immer wieder durch Fortbildungen zu den Themen Präsentationstechniken, Kreativitätstechniken, Zeit- und Selbstmanagement verbessern und erweitern. Zudem können spezifische Weiterbildungen wie etwa zum Professional Scrum Product Owner™ (PSPO), Professional Scrum Developer (PSD), im Bereich Professional Agile Leadership (PAL) oder zu weiteren „agilen“ Themen die Expertise anhand zertifizierter Kurse erweitern.
Mit Weiterbildungen in den Bereichen Unternehmensführung, Betriebswirtschaft sowie Wirtschafts- und Unternehmensberatung ist es für einen Scrum Master in vielen Fällen möglich, auch den Weg in die Selbstständigkeit zu wählen und ein eigenes – unter Umständen branchenspezifisches – Beratungsbüro zu gründen.
- Erfolgreich präsentieren - Intensivseminar
- Online-Workshop: Mit KI zur perfekten Präsentation
- Professional Scrum Master
- Planspiel: Agiles Projektmanagement mit Scrum
- Agile Moderationsmethoden
- Online-Seminar: Zeit- und Selbstmanagement
- Online-Seminar: Vom Mitarbeiter zum Vorgesetzten - Basisseminar
- Online-Seminar: KI im Projektmanagement für Einsteiger
- Online-Seminar: Projektmanagement – Grundlagen
Ihr Ansprechpartner

Torsten Klanitz
Produktmanager
Fon: +49 6151 8801 125

